Auf Umwegen nach Granada (Teil 1)

Beim Reisen kann Busfahren oft etwas abenteuerlich oder aufregend sein, wenn man sich nicht auskennt, das kennst du vielleicht auch. In dieser Kurzgeschichte erfährst du, warum wir nicht direkt nach Granada gefahren sind und warum du den Nicaraguanern vielleicht nicht alles glauben solltest, was sie behaupten.

Gebäude im Kolonialstil

Granada ist die drittgrößte Stadt Nicaraguas, Partnerstadt von Frankfurt am Main und wenn man erstmal da ist, wunderschön anzusehen. Sie wurde von einem Spanier 1524 gegründet und erinnert durch die Kathedralen und vielen Gebäude im Kolonialstil an Spanien selbst. Die Stadt liegt westlich in Nicaragua am großen Nicaragua See und in der Nähe des Vulkans Mombache.

Nach unseren Aufenthalten in ziemlich ländlichen Regionen wie dem Regenwald und den Inseln, war es Zeit geworden, dass wir uns mal wieder in eine größere Stadt begaben. Dies sollte auch unser letzter Stopp in Nicaragua sein, da meine Freundinnen bald wieder nach Deutschland zurückkehren mussten und wir von Costa Rica auch noch etwas sehen wollten.

Von der Ometepe Insel fuhren wir also wieder zurück aufs Festland und in die Stadt Rivas, um von dort einen Bus nach Granada zu nehmen.

Am Busbahnhof

Als wir am Busbahnhof in Rivas ankamen und aus dem Bus stiegen, den wir vom Hafen dorthin genommen hatten, sprach uns gleich ein Mann an.

Vielleicht kennst du das von deinen Reisen auch: Du kommst irgendwo an, hast keine Peilung, wo genau du bist und alles ist voller Einheimischer. Es herrscht ein Gedränge von Verkäufern und allen möglichen Gestalten und du warst eigentlich froh, endlich aus dem Bus steigen zu können, weil er so voll, eng und unbequem mit deinem riesigen Backpack war. Doch beim Anblick von dem Gewusel wünschst du dir, du könntest doch wieder in den Bus steigen, da war alles wenigstens noch überschaubar in vier Wänden.

So erging es mir zumindest als wir in Rivas ankamen und da es wirklich übertrieben voll von Menschen waren, folgten wir dem Mann irgendwie dankbar, als wir im sagten, wir wollen nach Granada und er uns sagte, er bringe uns zum Bus. Was für ein Glück, dachten wir. ich erinnerte mich auch an einen Jungen in Peru, der uns einmal genauso in Empfang genommen hatte und uns sicher zu einem Hostel geführt hatte.

So drängten wir uns also in der Mittagshitze an Menschen mit Körben und Waren auf dem Kopf oder in den Händen vorbei und stiegen über Müll und kaputte Bürgersteige. Die Luft war staubig und ich umklammerte meine Tasche mit meinen Wertsachen. In Menschenmengen passte ich immer besonders auf meine Sachen auf. Nach ein paar Minuten hielt der Mann an einem Bus an.

„Der fährt nach Granada?“, fragte meine Freundin auf spanisch. Er bejahte. Wir fragten auch wann er losfuhr. „Jetzt gleich.“

Das war aber nicht die Uhrzeit, die wir vorher in Erfahrung gebracht hatten und so besprachen wir kurz, ob wir diesen Bus nehmen oder einen anderen suchen sollten. Wir fragten einen weiteren Mann, der hinten auf dem Bus stand und den Leuten beim Einsteigen half, ob das der Bus nach Granada sei. Dieser sagte auch ja und winkte uns herein.

An dieser Stelle möchte ich kurz etwas erläutern:

Busfahren in Nicaragua

Die meisten Busse in Nicaragua (Fernreisebusse ausgeschlossen) sind amerikanische Schulbusse. Das sieht im ersten Moment von außen ganz interessant und witzig aus. Aber wenn man drin sitzt ist es ziemlich unbequem, weil es für die Beine kaum Platz gibt  (schließlich soll der Bus eigentlich Schulkinder umherfahren). Einsteigen und Aussteigen tut man vorne beim Busfahrer oder ganz hinten, vor allem wenn der Bus sehr voll ist, denn die Rückseite besitzt Türen. Dort befinden sich dann Busangestellte, die wie gesagt beim Ein- und Aussteigen helfen oder die nächste Haltestelle ansagen. Wenn der Bus nämlich so voll ist (und das ist manchmal sehr schnell der Fall) und du hinten sitzt, bekommst du vom Busfahrer vorne und was er sagt nichts mit.

Dann gibt es noch weitere Personen, die das Fahrtgeld einsammeln. Denn man zahlt normalerweise nicht vorne beim Busfahrer, sondern wartet bis jemand zum Platz kommt und das Geld einsammelt. Ich nenne diesen ab jetzt Fahrtverkäufer.

Tipp: Wenn du den Preis für die Fahrt nicht weißt, frage einen anderen Passagier. Der Fahrtverkäufer könnte dir einen höheren, falschen Preis nennen, wenn du ihn nach dem Preis fragst.

Die falsche Fahrt

Meine Freundin wies noch daraufhin, dass vorne am Bus Managua (die Hauptstadt) stand und nicht Granada. Die Busmänner winkten uns dennoch in den Bus und sagten wieder, dass der Bus für Granada richtig wäre. Also verstauten wir unser Gepäck und setzten uns hin. Der Bus war noch recht leer und in unserer Nähe befand sich nur ein anderer Passagier. Den fragten wir zusätzlich, ob dieser Bus nach Granada fuhr. Auch er sagte ja. Dann war ja alles in Ordnung.

Als der Bus bald darauf gefüllt war und losfuhr, schloss ich meine Augen. Wir waren schon seit 5 Uhr morgens unterwegs und hatten eine zweistündige Busfahrt auf der Ometepe Insel und eine nicht ganz so lange Fahrt mit der Fähre zum Festland hinter uns. Nach Granada sollte es jetzt nur noch zwei Stunden dauern. Dann würden wir endlich mal wieder in einer Großstadt sein.

Irgendwann wachte ich auf, weil der Fahrtverkäufer zu uns kam. Meine Freundinnen schliefen, also zahlte ich für alle. Ich fragte den Fahrtverkäufer zusätzlich, ob der Bus nach Granada fuhr und er nickte. Dann hörte ich Musik und irgendwann schaute ich auf die Uhr. Wir müssten bald ankommen.

Aber das taten wir nicht. Ich überprüfte dann mit GPS, wo wir uns befanden und musste zu meinem Erstaunen feststellen, dass wir an einer Kreuzung, wo es nach rechts Richtung Granada ging und nach links ins Landesinnere Richtung Managua, uns auf der linken Straße befanden.

Aber alle hatten doch gesagt, dass der Bus nach Granada fuhr?

Wie es weiterging, erfährst du in Teil 2.

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