Auf Umwegen nach Granada (Teil 2)

Eigentlich  wollten wir nach Granada in Nicaragua fahren. Doch wir waren im falschen Bus gelandet…

Warum genau, erfährst du in Teil 1.

Meine Freundinnen, die hinter mir saßen, hatten auch gerade auf der Karte gecheckt, wo wir uns befanden und waren dahintergekommen, dass der Bus uns wahrscheinlich nicht zu unserem Ziel bringen würde.

Verlorenes Vertrauen

Jetzt machten sich die verschiedenen Temperamente bemerkbar. Während ich zwar total genervt und müde war, blieb ich ruhig und kalkulierte, wo wir am besten aussteigen könnten, um nach Granada zu kommen. Aber so ohne Internet und keiner Ahnung, fühlte ich mich etwas unsicher, was am besten wäre. Und fragen brauchte ich eigentlich auch niemanden, denn ich konnte mir nicht mehr sicher sein, dass wir nicht angelogen wurden.

Meine eine Freundin hingegen regte sich jetzt total auf und wurde laut. Sie sprach die zwei Busangestellten an und fragte, ob der Bus etwa nicht nach Granada fuhr, obwohl wir extra danach gefragt hatten. Sie waren nicht sehr gesprächsfreudig und gaben uns zu verstehen, dass sie von alledem nichts wüssten. Wir waren uns dann auch nicht sicher, ob es die gleichen vom Anfang der Fahrt waren. Der Bus war wie gesagt voll und auch unter den Busangestellten herrschte oft ein Kommen und Gehen, wenn der Bus irgendwo anhielt. Wütend zwängte meine Freundin sich zum Busfahrer nach vorne und kam sauer wieder. Denn der Bus fuhr letzten Endes wirklich nach Managua, der Hauptstadt.

„Dann komme ich ja doch nicht drum herum.“, dachte ich und malte mir aus, wie wir in der Hauptstadt, die bestimmt noch voller, chaotischer und schmutziger war, den Bus wechseln würden und einige Stunden wieder zurück nach Granada fahren müssten.

Was für eine Zeit- und Geldverschwendung.

„Die sind sicher nur aufs Geld aus.“, dachte ich zudem, als mir einfiel, dass ich auch den Mann, bei dem ich die Fahrt bezahlt hatte, danach gefragt hatte, ob der Bus nach Granada fährt. Er hatte auch bejaht.

Meine Freundin hatte mittlerweile den Buspassagier gefunden, den wir am Anfang zusätzlich gefragt hatten, wohin der Bus fuhr, doch er wich aus und hielt sich mit Worten zurück. Man konnte uns den Unmut ziemlich anmerken, doch niemand half uns oder erklärte uns, wie wir nach Granada kommen könnten. Die zwei Busangestellten beobachteten uns eher gleichgültig und nur wenig betroffen.

Mir fiel dieses Verhalten extrem auf, da in Costa Rica und auch in Ecuador die Menschen immer sehr hilfsbereit gewesen waren. Irgendwie hatte ich es hier auch erwartet. Resigniert kam ich kurze Zeit später mit meiner Sitznachbarin ins Gespräch, die uns dann vorschlug bei der nächsten Haltestelle auszusteigen. Als wir das tun wollten, hielt uns ein anderer Passagier jedoch auf, der uns dann mitteilte, dass er auch nach Granada fahren wolle. Gut, dass er sich gemeldet hatte. Besser spät als nie.

Letzten Endes stiegen wir also kurz vor Masaya, einer Kleinstadt, mit dem Mann aus und folgten ihm zu einem Kreisverkehr, wo wenige Minuten später ein kleiner Bus anhielt. Meine Freundin fragte den Busangestellten beim Einsteigen dreimal, ob der Bus wirklich nach Granada fuhr. Er verstand natürlich nicht warum und war sichtlich irritiert.

Wieder falsche Auskunft

20 Minuten später kamen wir endlich in Granada an. Ich verfolgte die Fahrt mit GPS auf meinem Handy und konnte schon teilweise sehen, was es für Gebäude, Geschäfte, Cafés und Parks gab. So freute ich mich darauf, endlich mal wieder in einer großen Stadt zu sein und sie zu erkunden.

Unser Hostel befand sich im Zentrum in der Nähe vom Parque Central, bei dem wir aussteigen wollten. Ich hatte mein Handy mittlerweile beiseite gelegt und als wir an einer grünen Parkfläche hielten, fragte meine Freundin eine andere Passagierin, ob wir am Parque Central seien. Sie sagte „Si.“. Wir nahmen daraufhin unsere Rucksäcke und fragten im Vorbeigehen den Busangestellten sicherheitshalber, ob das der Park sei. Nein, teilte er uns mit, der Parque Central sei noch ein paar Blocks weiter.

Meine Freundin gab eine Art unverständnisvolles Lachen von sich.

„Das gibt’s doch nicht.“

Sie sprach die Passagierin von eben an und fragte fassungslos, warum sie “ja” gesagt hatte, wenn es doch gar nicht der Park gewesen war. Die Frau sagte mit einem entschuldigenden Blick „No se.“ (“Ich weiß es nicht”). Ein Mann, der neben ihr saß, schüttelte seinen Kopf, so als dürfte man sie so etwas nicht fragen.

Wir ließen die beiden dann in Ruhe, weil wir aus den Einheimischen nicht schlau wurden.

Ein paar Blocks weiter sagte uns der Busangestellte schließlich Bescheid, dass wir hier aussteigen könnten und so erreichten wir kurze Zeit später unser Hostel. Wir hatten es geschafft.

Parque Central in Granada

Mein Eindruck von den Nicaraguanern

Ob die Nicaraguaner uns für dumm verkaufen wollten oder es ihnen schlicht egal war, was mit uns war – ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass das alles etwas merkwürdig  gewesen war und wir zu viele falsche Aussagen an einem Tag zu hören bekommen hatten. Vertrauen wollten wir den Einheimischen danach nicht mehr wirklich.

Grundsätzlich habe ich nichts gegen die Nicaraguaner. Und ich bin mir sicher es gibt viele, die freundlich, hilfsbereit und vertrauenswürdig sind. Leider sind uns aber nicht viele davon auf unserer Reise begegnet.

Allerdings erfuhr ich Ende April, als ich noch in Costa Rica war, dass politische Unruhen in Nicaragua begonnen hatten. Ich kann mir also vorstellen, dass die Einheimischen von eigenen Sorgen geplagt kein großes Interesse daran hatten, sich mit Fremden auseinanderzusetzen. Wer weiß.

Das Land ist trotzdem sehenswert und zudem recht groß. Ich kann mir deswegen außerdem vorstellen, dass die Einheimischen an der Küste möglicherweise ganz anders sind.

Wenn du auch schon einmal in Nicaragua unterwegs warst, würde mich interessieren, wie du die Menschen dort empfunden hast. Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

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