Einmal Regenwald bitte (Teil 1)

Eine Dschungeltour in Nicaragua war das erste, was auf dem Plan unserer Reise stand. Mit meinem vorläufigen Reisepass war es mir nun möglich auch nach Nicaragua zu reisen und so stand dem Erlebnis Regenwald nichts mehr im Weg.

Eine Regenwaldtour, am liebsten mit Camping, wollten meine Freundinnen und ich machen wie wir es schon Jahre zuvor in Peru im Amazonas getan hatten. Dafür fuhren wir nach El Castillo, ein Dorf am Fluss San Juan in Nicaragua. Nachdem wir uns eine Unterkunft gesucht hatten, gingen wir die  Hauptstraße, in der sich ein Haufen Hostels, Restaurants und Souvenirshops befanden, entlang und checkten ein Tourangebot nach dem anderen ab. Wir stellten schnell fest, dass die wenigsten Touren eine Übernachtung im Wald enthielten. Doch zum Glück gab es Eduin, ein dunkler Nicaraguaner mittleren Alters. Mit Eduin und seinem Gehilfen hatten wir die Möglichkeit im Regenwald und am Fluss zu übernachten. So holten sie uns am nächsten Tag mit dem Boot ab und wir fuhren raus auf den Río San Juan.

Der breite Fluss mit seiner starken Strömung und den vorbeifahrenden “lanchas” (Boote) erinnerte mich ziemlich an unsere Zeit im Amazonas. Ich war wahnsinnig gespannt, aber der leichte Regen und die hellgrauen Wolken am Himmel gaben mir Bedenken. So in der Nässe draußen zu sein, war einfach nicht so gemütlich.

Während wir den Fluss entlangfuhren, hielten wir Ausschau nach Tieren. Eduin gab uns ein Fernrohr und schon bald entdeckten wir hier und da ein paar Spinnenaffen am Ufer, deren Namen sie dank ihrer langen Arme und Beine erhielten. Mehr Glück hatten wir an dem Tag was Tiere anging jedoch nicht. Vielleicht war es zu nass für sie. Weiter flussabwärts überquerten wir schließlich die Grenze zu Costa Rica und legten an einer Militärstation an, von der wir in ein Stück des Regenwaldes vorstießen und uns der Natur näherten.

Im Regenwald

Eduin war ein absoluter Naturmensch und wusste viel über den Wald und Fluss, denn er war mit dem Dschungel aufgewachsen. Als erstes zeigte er uns das Gegenteil von “Sugar Cane”, den “Sour Cane”: Einen saftigen Pflanzenstengel, der sauer schmeckte, wenn man auf ihm kaute. Dann gab es noch die zarten Blätter einer Pflanze, die sich bei der kleinsten Berührung zusammenzogen. Und auch den Baum, dessen Harz eine gummiartige Eigenschaft hatte, lernten wir kennen. Ich vermute es war Kautschuk. Als es dann plötzlich anfing in Strömen zu regnen, gab er uns riesige Blätter eines Baumes, aus denen die indigenen Völker auch ihre Dächer bauten, und die wir jetzt als Regenschirm benutzen konnten. Welcome to the jungle.

Nach einer kurzen Pause unter einer Überdachung hatte es aufgehört zu regnen, doch es war alles nass und Eduin schlug vor zurückzugkehren. Außerdem wurde es bald dunkel und wir mussten noch unser Lager irgendwo aufschlagen.

So machten wir uns auf den Rückweg, sahen dabei ein paar winzige rote Giftfrösche und kamen schließlich am Boot an, wo der Gehilfe, der dort geblieben war uns erzählte, dass wir einen Kaiman verpasst hatten. Das sind kleine, scheue Krokodile. Eduin sagte, wir dürften nicht sprechen, wenn wir einen sehen wollten, da sie sonst sofort verschwinden. Auch die großen Krokodile gibt es in diesem Fluss, erzählte er. Ich war aber nicht scharf darauf eines zu sehen, hatte ich vor Jahren in Costa Rica mal einen Haufen Krokodile gesehen. Die waren ziemlich groß und selbst aus der Ferne beängstigend.

Das Camp

Weiter ging es den Fluss abwärts Richtung Karibik und wir landeten schließlich auf einer kleinen Insel, auf der wir unser Camp aufbauten. Ich war insgeheim froh, dass wir auf einer Insel schlafen würden, denn Eduin hatte von hinterhältigen Pumas erzählt und Jaguare gab im Regenwald auch, welche wiederum weniger Interesse an Menschen hätten. Zu den Krokodilen sagte er, dass sie nur Menschen als Beute in Erwägung ziehen, wenn sie alt und nicht mehr so fit sind. Bedeutet das etwa, dass wir Menschen leichte Beute sind und nicht gut schmecken…?

Unser Lager bestand aus einer Küche und zwei Schlafplätzen. Einer war für uns Mädchen und der andere für einen Franzosen, der mit uns unterwegs war. Unser Guide und sein Helfer wollten es sich nachts in der Küche bequem machen.

Die Schlafplätzen bestanden aus Hängematten, die einen halben Meter über dem Boden schwebten und schwarzen Plastikplanen, die mit Seilen gespannt zu Dächern wurden. Zelten sei unpraktisch, sagte Eduin. Nässe und Insekten kommen leichter in ein Zelt als in eine Hängematte.

Nachdem wir alles aufgebaut hatten, fuhren wir angeln. Für uns Touristen war es das erste mal. Mir gefiel das Angelauswerfen, auch wenn ich an sich keinen Fisch esse und auch kein Tier töten wollte. Letzten Endes hatten wir aber alle Pech und fingen keinen einzigen Fisch. Nur der Franzose fing einen kleinen, den wir später aber wieder freiließen. Ich glaube Eduin war etwas enttäuscht von uns und meinte, dass der Fisch unser Abendessen werden sollte. Doch er hatte mehr als genug Lebensmittel für uns mitgenommen. So grillten wir keinen frischen Fisch am Lagerfeuer wie erwartet, sondern es gab Pasta.

Das Lagerfeuer war so eine Sache. Wir, die Touristen, hatten die Aufgabe eines zu entfachen, während unser Guide und sein Gehilfe das Abendessen kochten. Da alles, die Hölzer, Blätter, der Boden und die Luft, so feucht waren, war es so gut wie unmöglich.

Was mir aber Spaß machte, war das Stöcker sammeln. Es erinnerte mich an meine Kindheit, in der wir manchmal Indianer gespielt hatten und ein imaginäres Lagerfeuer mit echten Stöckern entfacht hatten.

Dieses Mal handelte es sich jedoch um ein echtes Lagerfeuer, welches erst entstand, als der Gehilfe mit einem Teil der Plastikplane ankam und diese anzündete, sodass geschmolzenes Plastik auf den nassen Holzhaufen tropfte. Das schien alles andere als natürlich und gesund zu sein. Doch das Feuer blieb damit erhalten und war bis 22 Uhr unsere größte Lichtquelle. Dann erlosch es und alles war dunkel.

Wir unterhielten uns alle noch eine Weile im Lampenschein unserer kleinen Taschenlampen bis einer nach dem anderen schlafen ging.

Ich war die letzte, die schlafen ging, denn etwas in mir wollte in diesem Dschungel nicht schlafen.

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