Granada in Nicaragua – Reisemomente und Eindrücke

Granada ist eine wunderschöne und sehenswerte Stadt in Nicaragua. Mit ihren bunt bemalten Häusern im Kolonialstil und der besucherfreundlichen Gegend, in der ich mich fast schon Zuhause gefühlt habe dank ihrer internationalen Atmosphäre, ist sie die schönste mittelamerikanische Großstadt, in der ich bisher gewesen bin. Erhalte selbst einen Eindruck mit dieser Fotostrecke und erfahre am Ende, was es mit der Fanta roja auf sich hat.

Im Zentrum der drittgrößten Stadt Nicaraguas ist unschwer zu erkenne, dass sie unter spanischem Einfluss errichtet wurde. Die meisten Häuser sind im Kolonialstil gebaut, der mich sehr an Spanien erinnert hat, aber auch an andere lateinamerikanischen Länder wie z.B. Ecuador. Gegründet wurde sie von Nicaraguas Gründer Francisco Hernández de Córdoba, ein Spanier wie man sieht, von dem auch die nicaraguanische Währung ihren Namen erhielt (Córdoba).

Aber genug mit Geschichte.

Zwischen den bunten Häusern, den englischsprachigen Anzeigeschildern, zahlreichen Cafés, Restaurants und Hotels habe ich mich gleich sehr wohlgefühlt. Endlich fühlte ich mich nicht ganz so Fehl am Platz oder total ausländisch wie in Colon z.B. In den Straßen liefen erheblich mehr Europäer und Amerikaner herum und wir fielen nicht mehr so sehr auf.

Die Post

Ich wollte noch acht Postkarten verschicken, die ich auf dem Markt in Masaya gekauft hatte.

Nachdem ich die „Post“ auf der Ometepe Insel in Moyogalpa gesehen hatte (Foto), hoffte ich sehr ein „normales“ Postamt in Granada vorzufinden. Die Post in Moyogalpa hatte sich nämlich am Rand der Stadt befunden, war scheinbar an einer Wanderroute von Rindern gelegen und hatte von außen wie ein Lagerraum ausgesehen, weil uns ein Stapel Getränkekisten begrüßte, als wir das Gittertor durchschritten.

In Granada sah die Post zum Glück ernstzunehmender aus und ich konnte meine Postkarten nach ziemlicher Warterei am Schalter, obwohl nur zwei Personen vor mir waren, verschicken. Es gab einen Pauschalpreis nach Europa, denn das war alles, was die Angestellte wissen musste, um mir Briefmarken auszuhändigen. Als ich die Karten schließlich in den Briefkasten steckte, hoffte ich erneut. Und zwar dieses Mal, dass sie ankommen würden.

Auch hier wurde meine Hoffnung erfüllt und einen Monat später erreichten sie alle Adressaten.

Richtung See

Nach dem Besuch bei der Post gingen wir die Calle La Calzada entlang. Das ist die typische Straße für die Reisenden und Touristen, in der sich Restaurants, Cafés, Kunstgallerien, Shops und Hotels aneinander reihen. Wir hatten beim Essengehen wirklich die Qual der Wahl: Tacos, Gallo Pinto (das typische Reis mit Bohnen Gericht), Pizza, Burger, Waffeln und einen Irish Pub gab es sogar auch. Preislich unterschieden sich die Angebote nicht groß, aber da sie auf Touristen zugeschnitten waren, fielen die Preise insgesamt etwas teurer aus als sonst.

Meine Empfehlung ist die Gelateria Granada bei der ich diverse Jugos (Smoothies), Eissorten und Waffeln probiert habe. Dieser Eisladen ist hervorragend, um die Lust auf Frisches und/oder Süßes zu stillen.

Als wir der Straße Richtung See folgten, wurde es ruhiger, aber nicht weniger bunt. Wir befanden uns nun in einer Wohngegend, in der es auch ein paar Hotels gab. Kutschen mit Touristen, Schüler in Uniformen und vereinzelte Reisende mit Kameras waren hier unterwegs, aber die Gegend war alles andere als geschäftig.

Die Calle La Calzada endet im Paseo de los Mangos, der gepflegte Parkstücke beinhaltet und eine Statue von Córdoba selbst.

Am See angekommen befanden wir uns am Pier von Granada (Muelle de Granada), der sich aus einem gelben Gebäude mit Kanonen und Fahnen bestückt und einem langen Steg, ebenfalls mit bunten Fahnen, zusammensetzt.

Mir gefiel diese Gegend sehr. Hier war es weit, offen und geräumig. Keine Menschenseele war in Sicht und es erinnerte mich an Spanien, dort habe ich mich auch schon oft in ähnlich gepflegten und mit Palmen gesäumten Parks aufgehalten.

Der Strand hatte auch etwas von der Sauberkeit und Leere und war anscheinend nicht für Badebesucher gedacht. Aber es waren auch keine ansatzweise zu sehen. Hatte es damit etwas zu tun, dass die Gegen hier gefährlich sein sollte? Das hatte man uns vorher erzählt. Also nachts sollte man dort nicht herumlaufen.

Eine unschöne Entdeckung

Beim Rückweg zum Zentrum begegnete mir dann leider eine Komponente, die mir auf Reisen immer weh tut zu sehen: Umweltverschmutzung. Auch wenn ich schon lange gelernt habe, dass in einigen Ländern einfach kein Bewusstsein herrscht, was Müll und Umwelt angeht, macht es mich jedes mal betroffen und wütend, wenn ich so etwas sehe. Abgestumpft werde ich hoffentlich nie davon, aber ausblenden tu ich manchmal schon ganz gerne, wenn ich in Ländern unterwegs bin, wo auf angemessene Müllentsorgung nicht geachtet wird.

Meine Hilflosigkeit und Mitleid der Natur gegenüber wich aber schnell dem Staunen, als ich ein paar Meter weiter Bougainvilleen erblickte, die dabei waren, die Mauer einzunehmen.

Nach Westen – Auf der Iglesia La Merced

Nach einer kurzen Rast durchquerten wir das Zentrum und gingen nach Westen, in die entgegengesetzte Richtung zum See, um uns in einem Busunternehmen Bustickets für den morgigen Tag zu kaufen. Unsere Abreise aus Nicaragua stand kurz bevor. Dabei kamen wir an antik aussehenden Konstruktionen und an mehreren Kirchen vorbei.

Für ein paar Dollar stiegen wir auf dem Rückweg die Iglesia La Merced hoch. Selbst für mich, die keine Höhenangst hat, war das ein etwas unangenehmes Unterfangen, weil die Spiraltreppe unglaublich schmal war und man an vielen Stellen durch die Treppenstufen hinuntersehen konnte. Also im Grunde war sie ein Albtraum für Menschen mit Höhenangst UND Platzangst.

Catedral de Granada

Catedral de Granada

Vulkan Mombacho

Vulkan Mombacho

Oben angekommen geriet der schwindelerregende Aufstieg jedoch sofort in Vergessenheit, weil sich ein toller Ausblick über Granada darbot. Von der Iglesia La Merced kann man in östliche Richtung die gelbe Catedral de Granada sehen, die mit dem Nicaragua See im Hintergrund ein wunderschönes Postkartenmotiv darstellt. Und in südliche Richtung ist der Vulkan Mombacho zu sehen.

Ein frischer Wind weht ebenfalls in dieser Höhe und wir legten eine kurze Pause ein um uns von der Hitze und der Stadtwanderung zu erholen bevor wir uns auf den Weg zum Schokoladenmuseum machten. Das gibt es in Granada nämlich auch. Letzten Endes gingen wir jedoch nicht hinein, sondern sparten uns das Geld um später Essen zu gehehn anstatt zu kochen.

Die Sache war auch, dass wir genau planen mussten, wie wir unsere letzten Córdoba ausgeben wollten, da wir am nächsten Tag in Costa Rica sein würden, wo es eine andere Währung gibt.

Restaurant Empfehlung

Ein Restaurant, was ich empfehlen möchte, ist das Tito’s Restaurante. Leider haben wir das erst an unserem letzten Abend entdeckt. Aber die Bedienung ist freundlich, das Essen war sehr lecker und die Preise stimmten auch. Allgemein empfehle ich in der Calle Atravesada und der Calle El Comercio Essen zu gehen, da sich hier mehr Einheimische herumtreiben und das Preis-Leistungsverhältnis besser als in der Touri-Straße La Calzada ist.

Mein Eindruck von Granada

Unser Aufenthalt in Granada endete nach zweieinhalb Tagen mit unserer Abfahrt mit dem Nicabus nach Costa Rica. Zwar freute ich mich sehr auf Costa Rica und Strand, aber mir fiel es doch ein wenig schwer, Nicaragua bzw. Granada zu verlassen. In der kurzen Zeit konnte ich nicht alles entdecken oder erleben, was diese Stadt zu bieten hat (vor allem, weil ich einen halben Tag in Masaya verbracht hatte). Aber einen Eindruck habe ich dennoch erhalten können.

Was mir dazu noch an Granada gefällt, ist, dass die Kunst- und Kulturszene hier recht ausgeprägt ist. Von den offensichtlichen Kunstgalerien abgesehen, die es zu Hauf gab, entdeckten wir zudem fairtrade Kaffee- und Schokoladenläden und eine Hängemattenwerkstatt, in dem junge Menschen, teilweise mit Behinderungen, Hängematten herstellen, um diese anschließend zu verkaufen. Wir entdeckten außerdem auch das Café de las Sonrisas („das Cafe des Lächelns“), das taube Menschen als Servicepersonal beschäftigt. Leider hatte es zu dem Zeitpunkt als wir vorbeikamen nicht geöffnet.

Granada hat mich, besonders in Hinsicht der kulturellen und sozialen Ebene, sehr positiv überrascht und ich würde bei Gelegenheit dorthin wieder zurückkehren, um diese schöne Großstadt näher kennenzulernen.

 

Und zum Schluss noch eine kleine Geschichte, die sich kurz vor unserer Abreise ereignete.

Das rote Getränk

Um die letzten Córdoba loszuwerden bevor wir nach Costa Rica reisten, wollten meine Freundin und ich uns für die Busfahrt etwas zu trinken besorgen. In der Nähe des Busunternehmens Nicabus, in dem wir warteten bis der Bus aus Managua kam und uns einsammelte, fanden wir einen kleinen Laden und eine Apotheke. Der Laden befand sich leider auf der anderen Straßenseite hinter einer verkehrstüchtigen Straße, die wir auf die Schnelle unmöglich überqueren konnten. Also gingen wir in die Apotheke. Dort entdeckte ich eine rote Fanta (Fanta roja war auch ihr Name), die ich in Deutschland noch nie gesehen hatte. Da es mit den letzten Münzen hinkam diese und eine Cola zu kaufen, entschied ich mich für sie, da ich gerne neue Dinge ausprobiere. Ich verband mit der Farbe irgendeine leckere Frucht und auf dem Etikett stand zudem rico sabor (“leckerer Geschmack”).

Im Warteraum des Busunternehmens angekommen, öffnete ich die Flasche, nahm einen Schluck und hätte ihn am liebsten sofort wieder ausgespuckt.

Dieses rote Zeug schmeckte unvorstellbar künstlich, süß und einen Hauch medizinisch. Bei allem Respekt Fanta gegenüber, aber es war das ekligste, was ich jemals getrunken hatte. Da war die zitronengelbe Inka Kola aus Peru noch erträglich gewesen. Ich gab meinen Freundinnen die rote Fanta zum Probieren und auch sie verzogen die Gesichter. Dieses Getränk war nichts für uns. Und es ging nicht, dass ich noch weiter davon trinken würde. Dabei stand doch auf der Flasche “leckerer Geschmack”. Aber der ist eben sehr verschieden.

„Wer um alles in der Welt mag sowas?“, fragte ich entgeistert. Ich konnte es mir nicht vorstellen, dass Menschen diesen Softdrink freiwillig trinken geschweige denn mögen würden.

Eine Antwort auf meine Frage bekam ich jedoch gleich ein paar Minuten später, als meine nicaraguanische Sitznachbarin aus ihrer Tasche eine Flasche der Fanta roja hervorholte. Was für eine Ironie. Ich sah ihr ungläubig zu wie sie trank, als wäre es das normalste der Welt. Gott sei Dank konnte sie kein Deutsch, hatte ich gerade über dieses Getränk und somit indirekt über ihren Geschmack hergezogen.

Ich überlegte sogar, ob ich ihr meine Fanta geben sollte, nur damit sie nicht verschwendet war. Ich mag es wirklich nicht Lebensmittel zu verschwenden. Aber das wäre doch ein wenig zu merkwürdig gewesen, empfand ich und ließ es.

Wieder einmal überrascht, wie verschieden Menschen (vielleicht auch kulturell bedingt) sein können, nahm ich die Flasche mit um sie im Bus nach Costa Rica zu entsorgen.

Ich beschloss danach zukünftig keine farbenfrohen Softdrinks in Lateinamerika mehr zu probieren, sondern bei meinen Jugos und agua bleiben.

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