Masaya in Nicaragua – Kontrastreiche Märkte und das Straßenleben

Eigentlich wollten wir nur einen Kunsthandwerksmarkt in Masaya besuchen. Warum dieser das Unspektakulärste des ganzen Tages war, was es mit dem unerreichbaren Ring auf sich hat und warum ich am Ende reizüberflutet war, erfährst du mit diesem kleinen Ausflug in die Stadt Masaya.

Es war ein Mittwochvormittag als eine Freundin von mir und ich den Bus nach Masaya nehmen wollten. Dieses Mal achteten wir ganz genau auf die Schilder vorne an den Bussen und überprüften, auf welchem Masaya stand. Wir wollten nicht schon wieder im falschen Bus landen. Und die Einheimischen hatten unser Vertrauen bereits verspielt.

Die Busfahrt dauerte 20 Minuten und als wir ausstiegen, fanden wir uns auf einem großen chaotischen Platz vor, dem Busbahnhof. Chaotisch in dem Sinne, dass es keine Überdachung oder Servicegebäude gab. Und auch keine Bussteige. Die Busse fuhren kreuz und quer, dazwischen liefen Menschen umher und der Busbahnhof ging gleich in einen Wochenmarkt über, von dem ein Gestank ausging, wie ich noch nie zuvor gerochen hatte. Wir mussten jetzt erstmal den Ausgang von diesem unangenehmen Platz finden und liefen mit Hilfe meines GPS in die östliche Richtung.

Der Markt, auf dem ich niemals Lebensmittel kaufen würde

Wochenmarkt mit Koerben und Verkaeufern

Der Boden war sandig und wurde immer schmutziger und teilweise schlammiger, teilweise staubiger je weiter wir uns in dem Markt befanden, den wir durchquerten, um zum Ausgang zu gelangen. Wir kamen an einem Haufen Bananenständen vorbei und fragten uns, wer die alle kaufen oder essen sollte. Bei 30 Grad im Schatten und all der Fliegen, die sich auf den Menschen, Hunden und Lebensmitteln niederließen, waren diese Bananen sicher nicht so lange haltbar.

Meine Freundin erkundigte sich noch eben nach den Preisen der Avocados, während ich nur die Blicke der Einheimischen wahrnahm. Ein guter Grund, nicht meine Spiegelreflexkamera herauszunehmen, obwohl ich gerne mehr von dem Markt eingefangen hätte. Ich fragte mich außerdem, wie ein Mensch hier in diesem Gestank den ganzen Tag arbeiten, geschweige denn Lebensmittel einkaufen konnte.

Gemuese in Koerben

Der Markt hatte viel Ablenkungspotenzial und wir fanden den Ausgang nicht. Wir kamen dann auf die Idee, nach den Bussen Ausschau zu halten und ihnen zu folgen, die den Markt kreuzten. Die konnten uns sicher zum Ausgang führen.

Das taten sie dann auch und so befanden wir uns jetzt in einer Nebenstraße, von der es eigentlich einfach war, den Kunsthandwerksmarkt zu erreichen. Wir mussten nur einer Straße folgen. Zunächst kamen wir aber an einer Schule vorbei. Dort mussten wir den uniformtragenden Schülergruppen, die nur Augen für sich hatten, auf die Straße ausweichen. Dann folgten diverse Geschäfte wie Bäckereien, Schmuckläden und Kleidungsgeschäfte. Eine ganz normale Stadt also, aber andere Touristen waren nicht zu sehen.

Der schöne Ring

Auf dem Weg zum Kunsthandwerksmarkt kamen wir außerdem an einem Juwelier vorbei, in dem meine Freundin einen Ring entdeckten, der ihr sehr gefiel. Er war wirklich schön: Silber mit zierlicher Fassung und einem rötlichen Stein. Sie sprach mit den zwei Männern, die nun aus dem kleinen, dunklen Laden neugierig zur Glasvitrine im Schaufenster hervorkamen, und brachte in Erfahrung, dass dieser Silberring gar nicht mal so teuer war. Doch sie wollte sich zuerst auf dem Kunsthandwerksmarkt umschauen und sagte, sie komme eventuell zurück.

Der Kunsthandwerksmarkt – Ein Labyrinth, friedliche Verkäufer und immer das Gleiche

Mehrere Meter weiter waren wir schließlich angekommen und befanden uns vor einer historisch aussehenden Mauer, die den Markt vom Trubel der Stadt abgrenzte.

Eine Mauer an einer Strasse

Was mir gleich auffiel, als ich hinter die Mauer trat, war der Schatten, den eine große Überdachung spendete. Hier konnte ich bleiben. In der Mittagssonne war es mittlerweile schon wieder sehr heiß. Mir fiel außerdem auf, dass der Markt ziemlich menschenleer war, vielleicht weil es Mittwoch war. In der ersten halben Stunde sah ich zumindest keine anderen Marktbesucher. Nur Verkäufer und Verkäuferinnen saßen gelassen im Schatten in ihren kleinen Verkaufsräumen. Einige aßen und andere grüßten freundlich. Und die wenigsten preisten uns ihre Ware an, wie ich es sonst von solchen Märkten gewohnt war.

Souvenirmarkt

Hier mochte ich es wirklich. Ich konnte in Ruhe stöbern, es war genug Platz, kein Gedränge und nicht zu warm. Schnell stellten wir jedoch fest, dass die meisten Stände immer das gleiche anboten: U.a. Holzschalen, Holzuntersetzer, Zigarren, Rum, Kakao, Kaffee, Hängematten, Schmuck, geknüpfte Armbänder. Preislich unterschieden sie sich auch nicht groß, aber die Souvenirs waren günstiger als die, die es in Granada zu kaufen gab.

Souvenirmarkt

Eigentlich habe ich es nicht so mit Souvenirs einkaufen gehen, aber meine Freundin umso mehr. Der Großteil unseres Aufenthaltes bestand daraus, die Stände nach den Holzschalen abzuklappern und preislich zu vergleichen. Ich war hingegen in erster Linie nur auf der Suche nach einem Armband.

Sowohl die Holzschalen als auch ein Armband befanden sich am Ende in unserem Besitz, aber ich weiß nicht, wie oft wir unsere Runden in dem Markt gedreht haben. Für mich war der Markt, der auch recht groß war, ein kleines Labyrinth. Es sah alles sehr ähnlich aus und die Waren waren wie gesagt auch immer das gleiche.

Ein paar kleine Stände, an denen es etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen gab, befanden sich in den Randbereichen des Marktes. So gönnten wir uns zum Abschluss noch einen Jugo, einen Smoothie aus frischem Obst (mein all-time favorite in Lateinamerika).

Ein orangefarbener Smoothie

Danach brachen wir auf und begaben uns wieder in das Straßenleben von Masaya.

Masayas Straßenleben

Zuerst wollte meine Freundin den Ring kaufen, da sie auf dem Markt keinen gefunden hatte, der ihr gefiel. Als wir bei dem Geschäft ankamen, fanden wir jedoch nur einen der beiden Männer vor. Dieser sagte entschuldigend, dass er ihr den Ring nicht verkaufen könne, da der andere der Besitzer ist und nur er einen Schlüssel zur Vitrine hat. Dass der Besitzer aber bald wiederkommen würde, wenn er seine Mittagspause beendet hatte, teilte der Mann uns noch mit.

Somit widmeten wir uns als nächstes selbst unserem Mittagessen und wollten dann wiederkommen.

Während wir draußen vor einem kleinen Fastfood Shop saßen, beobachtete ich das Treiben der Einheimischen in der Straße und stellte mir einige Fragen, die ich niemals beantwortet bekommen würde.

Strasse mit Fahrzeugen und einem Mann, der einen Anhaenger zieht

An die amerikanischen Schulbusse, die als öffentliches Verkehrsmittel in Nicaragua herhalten, hatte ich mich schon lange gewöhnt.

Aber ich fragte mich wie das Leben eines Mannes wohl aussieht, wenn er einen Anhänger hinter sich herzieht, wie es sonst Pferde und Esel tun. War das sein Job oder wollte er nur etwas für sein eigenes Geschäft abholen und hatte kein Pferd oder ein Auto?

Eine Strasse mit Menschen

Oder was hatte die Frau mit einem Haufen Empanadas auf dem Kopf vor? Und der Mann mit den CDs in seinem Schiebewagen. War das auch so ein Straßenverkäufer, der Musik verkaufte? Möglicherweise sogar “música cristiana” (christliche Musik) wie ich es einmal im Bus gehört hatte? In Nicaragua kannst du die Menschen mit so etwas vielleicht zum Kauf verleiten, in Deutschland eher nicht, deswegen war mir dieser Satz so im Ohr geblieben.

Der unerreichbare Ring

Nachdem wir unser Mittagessen beendet hatten, machten wir uns erneut zu dem Juweliergeschäft auf. Wir hatten in Masaya alles erledigt und gesehen, was wir wollten. Doch zu unserer großen Enttäuschung war der Ringverkäufer immer noch nicht da. Laut seines Partners würde er heute vielleicht auch gar nicht mehr wiederkommen. Meine Freundin ärgerte sich natürlich sehr. Da lag der schöne Silberring mit einem kleinen roten Stein in einer Glasvitrine direkt vor uns, doch sie konnte ihn nicht haben.

Leider gibt es für einige Dinge einfach keine zweite Chance, sie zu kaufen. Ich kannte das gut. Mir war es auch schon ein paar Mal passiert, mich zu spät für etwas zu entschieden zu haben, sodass ich nur mit leeren Händen und einem zermürbenden Reuegefühl zurückblieb. Die Chance für den Ring war auch verpasst, obwohl er noch da war und das tat mir leid für meine Freundin.

“Was ist das denn für eine Arbeitsmoral? Ist das normal hier?”

Meine Freundin überlegte sogar, am nächsten Tag noch einmal wiederzukommen. Masaya lag schließlich nur 20 Minuten von Granada entfernt. Aber dann entschied sie sich dagegen. Dann hatte sowohl sie als auch der Ringverkäufer Pech gehabt. Der Verkäufer konnte schließlich nur etwas verkaufen und Gewinn machen, wenn er auch da war.

Am Ende kam die Reizüberflutung

So machten wir uns ohne den Ring, aber mit einigen Souvenirs auf den Rückweg zum Busbahnhof. Mir war immernoch ziemlich warm und ich hatte mittlerweile genug von dem bunten Treiben auf der Straße. Es war kein leichtes Unterfangen sich auf den zerbrochenen und nur halbwegs vorhandenen Bürgersteigen zu bewegen. Meine Freundin, die in die Schaufenster schaute und nach einem ähnlich schönen Ring suchte, stolperte mehrmals. Ich hingegen schaute genau, wohin ich trat und das erforderte auch so ziemlich meine gesamte Aufmerksamkeit. Zudem waren die Bürgersteige ziemlich schmal und wir mussten permanent auf Gegenverkehr in Form von Menschen und Hunden achten.

Einmal blieben wir vor einem Laden stehen, weil es dort Schmuck gab, als etwas in meine Beine rannte. Ich schaute nach unten und erschrak ein wenig, als ich einen kleinen Jungen sah, der mit einem Maschinengewehr in der Hand herumfuchtelte. Es war natürlich nur ein Spielzeug, aber der Wunsch, bitte schnell zurück zum Hostel zu fahren, überkam mich schließlich. Es wurde Zeit zu gehen.

Gemuese auf einem Wochenmarkt

Der übelriechende Markt, den wir wieder durchqueren mussten, um zum Bus zu gelangen, gab mir letzten Endes dann wirklich den Rest und ich bekam Kopfschmerzen.

Ich glaube, wir waren nur vier/fünf Stunden in Masaya unterwegs, aber nach diesem Ausflug fühlte ich mich ziemlich gerädert. Als hochsensibler Mensch wie ich es bin, ist es kein Wunder, und ich bin dennoch froh, diesen Ausflug gemacht und diese Eindrücke nicaraguanischen Lebens erhalten zu haben. Für mich gehört es einfach dazu, mich unter die Einheimischen zu begeben und das alltägliche Leben zu erfahren oder mindestens zu beobachten. Auch wenn ich damit riskiere, reizüberflutet und total erschöpft zu werden. Das ist es mir dann irgendwo Wert.

Und ob ich den Kunsthandwerksmarkt in Masaya weiterempfehlen kann? Ja, wenn du Märkte magst und eine große Auswahl an schönen Souvenirs haben möchtest, die günstiger sind als in Granada.

Ob ich empfehlen kann, Masaya einen Besuch abzustatten? Vielleicht, wenn du dich für das einheimische Leben interessierst und Eindrücke sammeln willst.

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