Montezuma in Costa Rica – Ein wandervoller Tag

Montezuma, ein kleines Dorf am Meer an der Pazifikküste in Costa Rica, ist einer meiner Lieblingsorte auf der ganzen Welt. Nicht nur die friedlichen und freundlichen Bewohner und das Leben haben es mir schon 2012 angetan, als ich das erste Mal dort war. Auch die Umgebung, die Naturschutzgebiete und besonders die Naturstrände sind ein Traum. Ganz roh und wild, besonders je weiter man sich von dem kleinen Örtchen entfernt.

In diesem Reisebericht begleitest du mich auf dem Weg zum Wasserfall Cocalito, kommst an einer Schildkrötenschutzstation vorbei, in der ich mal gearbeitet habe und kletterst mit mir zum Montezuma Wasserfall.

Es war unser dritter Tag in Montezuma als wir noch vor 5 Uhr morgens in der Früh aufstanden. Wir hatten den vorherigen Tag gemütlich am Strand und in der Sonne verbracht. Aber als wäre ein gechillter Tag genug, hatten wir für den heutigen Tag volles Programm. Erst Sonnenaufgang anschauen, wofür Montezuma wundervoll an der Pazifikküste liegt. Und dann die Wasserfälle in der Gegend besuchen. Der Cocalito Wasserfall, der ganz in der Nähe von Tango Mar und ca. 1 Stunde zu Fuß von Montezuma entfernt liegt, sollte dabei in unserer Tagesplanung als nächstes dran sein.

Unser Tag begann also schon ziemlich früh. Wir gingen ohne Frühstück, aber mit Kameras gewappnet, hinunter zum Strand. Und obwohl wir die aufgehende Sonne aufgrund der Wolkendecke nicht sehen konnten, war der Anblick des Sonnenaufgangs und der zarten Farben, die im Spektrum von blau, violett, rosa bis orange am Himmel erschienen, wunderschön. Das Meer rauschte, die ersten Vögel machten Geräusche und um halb 6 waren auch schon die Fischer bei ihren Booten zu sehen.

Auf dem Weg zum Cocalito Wasserfall

Nach dem Frühstück begaben wir uns – immer noch in aller Früh – auf den Weg zum Wasserfall. Wir wollten so vermeiden, in der Mittagshitze und prallen Sonne am Strand entlang zuwandern. Jetzt am Morgen war es noch angenehm warm und sogar bewölkt.

Wir machten uns also auf den Weg und ließen das Strandstück, an dem sich sonst immer die Montezuma-Touristen aufhielten, zurück und gelangten zu dem auch tagsüber weniger besuchten Strandteil. Der diesige und jetzt einsame Strand hatte etwas Beruhigendes an sich.

Gleichzeitig muss ich gestehen, war ich unglaublich müde, weil wir so früh aufgestanden waren und ich in unserem Hostel sehr unruhig geschlafen hatte. Ich bin zudem auch ein Morgenmuffel, davon mal abgesehen, aber der Sonnenaufgang und der ruhige Strand stimmten mich immerhin etwas milde.

Aber nur solange wir über den Sand liefen. Ich hatte nur meine Flipflops angezogen – schließlich waren wir am Strand – aber dass wir auch über weite Felder von Treibholz oder scharfkantigen Felsen klettern mussten, hatte ich nicht bedacht. Und das war bei dieser Wanderung leider häufig der Fall.

Waldstücke lagen auch auf unserem Weg und wir kamen einmal an diesem Geier vorbei, den wir so ganz allein auf den kahlen Ästen als etwas düster und gruselig empfanden.

Meine Laune war insgeheim auch etwas düster, weil ich erst jetzt gemerkt hatte, wie unfit und zu müde ich mich für diese Wanderung fühlte.

Was mich aber erfreute, war der relativ geringe Anteil an Plastikmüll und –teilchen am Strand. Ich erinnerte mich an 2012, da waren die Strände fernab der „Touristenzone“ in Montezuma, zu meinem Entsetzen voll von angeschwemmten Müll gewesen. Mittlerweile wurde sich aber anscheinend auch in diesen Teilen der Küste um eine Säuberung gekümmert und wir sahen als Bestätigung auch mehrere Müllsäcke am Strand stehen.

Dennoch, die Vorstellung, dass all die kleinen bunten Plastikteilchen hier und im Meer herumschwirren und das Ökosystem beschädigen, weil sie sich nicht mal eben so schnell zersetzen, ist bedrückend. Und natürlich, so kleine Plastikteilchen wie hier zu sehen sind, werden von der Strandsäuberung auch nicht aufgesammelt. Ob Tiere und Insekten, wie dieser kleine orangefarbene Schmetterling, wohl von solch bunten Teilchen angezogen werden? Ich dachte auch an die Meeresschildkröten, die an den Strand kommen, um ihre Eier zu legen. Im Meer richten die Teilchen aber wahrscheinlich den meisten Schaden an.

Ich beschloss daher, auf dem Rückweg irgendetwas von der Strandverschmutzung mitzunehmen und zu entsorgen.

Zumindest wenn ich für die Heimkehr kein Boot oder Bus zufassen bekam. Das war mein größter Wunsch in diesem Moment, weil diese Wanderung mit Flipflops gefühlt doppelt so anstrengend war und mir den Rest gab. Ich konnte mir nicht vorstellen, das alles wieder zurückzulaufen.

Nachdem wir an einem Denkmal für Umweltschützer aus der Schweiz, die in den 90ern sich für den Naturschutz hier am Strand eingesetzt hatten, vorbeigingen, führte uns unser Weg an einer Wassereinbuchtung vorbei. Dort entdeckten wir ein kleines Schild, das besagte, dass es hier Krokodile geben würde. Also bitte nicht schwimmen und bitte nicht füttern.

Unter einer freiwilligen Krokodilfütterung konnten wir uns nichts vorstellen und auch wenn wir kein Krokodil in dem Wasser entdecken konnten, machten wir uns schnell weiter auf den Weg, um diesen Abschnitt des Strandes zu verlassen.

Immer noch müde und langsam hinter meinen Freundinnen herlaufend, zog ich meine Flipflops aus, als wir uns auf Sand befanden. Denn durchweicht wie sie bereits waren, konnten sie möglicherweise kaputtgehen. Dies war mir schon einmal in einem Nationalpark vor Jahren an der Karibikküste passiert. Die Durchquerung war danach nicht mehr schmerzfrei gewesen so ohne Sohle. Sowas wollte ich nicht noch einmal durchmachen.

Auf einmal blitzte etwas Silberfarbenes in meinem Weg auf. Erst dachte ich, es wäre vielleicht Schmuck oder eine Münze, weil mir auf dieser Reise schon so oft das Geld vor den Füßen gelegen hatte, sodass ich anfing zu glauben, dass das Geld tatsächlich auf der Straße liegt. Vielleicht schaute ich hier in Nicaragua und Costa Rica aber auch einfach nur mehr auf den Boden, der nämlich diverse Stolperfallen bereithielt, so uneben und kaputt wie die Wege oder Straßen oft waren. Und daher entdeckte ich auch vermehrt Münzen auf der Straße.

Dieses Mal war es aber kein Geld, sondern ein kleiner, silberner Fisch. Er sah sehr schön aus, wie er da so lag. Aber ich hatte keine Ahnung wie er dahin gekommen war, die Wellen schlugen nicht gerade in der Nähe ans Ufer. Lebendig schien er leider auch nicht mehr, also ließ ich ihn liegen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit näherten wir uns unserem Ziel. Doch bevor wir die Felsen erreichten, hinter denen der Wasserfall liegen sollte, kamen wir an diesen Wandeingravierungen vorbei. Ich musste sofort an unseren Aufenthalt auf den Solentiname Inseln in Nicaragua denken. Diese Zeichnung hier waren jedoch nicht ganz so kryptisch und bestimmt nicht von indigenen Völkern in Stein gemeißelt. Aber wer weiß.

Beim Cocalito Wasserfall

Mit nackten Füßen kletterte ich den Felsen hoch, obwohl ich wirklich am Ende meiner Kräfte war und meine Freundinnen mir anmerkten, dass ich gar keine Lust mehr hatte (typisch ich, wenn ich müde bin 😀 ). Aber auf sie warten wollte ich auch nicht. Den Wasserfall, der hinter den Felsen lag, jetzt nicht anzuschauen hätte keinen Sinn gemacht. Schließlich war ich den ganzen Weg nur für ihn gegangen.

Oben angekommen, bot sich uns folgender Anblick:

Ich muss sagen, ich hatte mir den Wasserfall Cocalito etwas mächtiger und größer vorgestellt. Er schien ein wenig ausgetrocknet zu sein. Dass wir uns am Ende der Trockenzeit befanden, hatten wir zwar gewusst. Aber dass die Trockenzeit auch Einfluss auf das Erscheinungsbild von Wasserfällen haben kann, hatten wir nicht bedacht.

Nichtsdestotrotz fand ich den Anblick besonders mit steinbrüchigen Felswand super schön. Ich liebe Natur einfach.

Der Flipflop

Nach einer halbstündigen Pause auf dem Felsen kehrten wir schließlich um. Die Wolken verzogen sich langsam und es würde bald richtig heiß sein. Ein Boot oder Bus waren für meine Heimkehr nicht in Sicht, aber das wollte ich jetzt auch nicht mehr. Mein morgendliches Stimmungstief und meine Müdigkeit waren nach unserer Pause auf den Felsen verflogen.

Schnelleren Schrittes als auf dem Hinweg kamen wir wieder an den Wandzeichnungen vorbei, stiegen über Felsen, Treibholz und Müll. Das Silberfischchen wollte ich meinen Freundinnen zeigen, doch konnte ich es nicht wiederfinden.

Und als wir die Hälfte des Weges hinter uns hatten und erneut über die dunklen, kantigen Felsen kletterten, riss mein linker Flipflop. Ich hatte irgendwie nur darauf gewartet. Das war so ärgerlich. Doch ich wusste, dass jammern nichts half und band ihn mir mit meinem Haargummi um den Fuß, weil ich sonst nicht über die Steine und Hölzer klettern konnte. Aber ich fluchte innerlich schon ziemlich.

Wir kamen gerade an einem Haufen Treibholz, Gestrüpp und Müll vorbei, als meine Freundin sagte, ich solle mir zur Not einen angeschwemmten Flipflop nehmen, wenn ich einen sehe. Ja eigentlich eine gute Idee, oder? Also wenn es sich nicht gerade um Zahnbürsten oder generell Plastikteilchen handelte, dann waren nämlich meistens Schuhe zu sehen.

Ich war noch leicht am Zögern, ob ich das machen sollte, als mein Blick auf einen Flipflop fiel, der auf einmal direkt vor mir lag. Es war ein linker. Er hatte ein kleines Loch in der Sohle, wo sich die Ferse befand, aber sonst sah er recht stabil aus. Den nehm ich, dachte ich mir und er saß wie angegossen. Eine Nummer zu groß vielleicht, aber er war schön bequem. Von dem Moment an war ich wieder richtig gut drauf und ausnahmsweise ganz froh über den Müll, der am Strand lag. Und ich leistete damit gleich meinen Beitrag zur Strandreinigung, sogar in Form von Recycling.

Als wir uns Montezuma näherten war es mittlerweile schon Mittag und die Strände waren nicht mehr diesig und menschenleer. Mehr und mehr Leute kamen uns entgegen. Jetzt war ich auch in der Laune und hatte Zeit, die ASVO Schildkrötenstation, die ein Stück weiter hinten am Strand von Montezuma liegt, zu besuchen.

Das Schildkrötenschutzprojekt in Montezuma

ASVO ist eine Organisation, die sich für den Schutz von Meeresschildkröten und Umweltschutz einsetzt. Dort hatte ich 2012 für zwei Wochen als Freiwilligenhelferin gearbeitet. Es war schade, dass ich jetzt gerade in der Saison in Montezuma waren, in der die Station geschlossen hatte (Anfang März). An sich beginnt die Schildkrötensaison Anfang April, denn dann kommen die Tiere wieder an den Strand und legen ihre Eier.

Die leere Brutstätte April 2018

Die Brutstätte Oktober 2012 in der Schildkrötensaison

Wenn die Station geöffnet hat, sind dort für gewöhnlich Freiwilligenhelfer anzutreffen, die einem etwas über die Schildkröten und die Brutstätte (engl. hatchery, span. vivero), die gleich nebenan ist, erzählen können. Nicht, dass ich das gebraucht hätte, aber ich konnte sehen, dass sich in den sechs Jahren einiges verändert hatte und ich hätte mich gerne mit gegenwärtigen Freiwilligenhelfern ausgetauscht.

ASVO Hütte 2018

ASVO Hütte 2012

Wenn du mal in Montezuma sein solltest, empfehle ich dir diese Station zu besuchen. Mit etwas Glück kannst du (vor allem nachts) Schildkrötenbabys beim Schlüpfen zusehen bzw. wie sie sich ins Meer begeben:

Mehr zu dem Thema kannst du in meinen Instagram-Posts erfahren:

  1. Sea turtle protection – How?
  2. Sea turtle protection – Why? 1
  3. Sea turtle protection – Why? 2

Und um weitere Einblicke zu erhalten, kannst du z.B. auch bei dem Instagram-Profil von ASVO Montezuma vorbeischauen.

Der Montezuma Wasserfall

Nach unserer Rückkehr zum Hostel, einer kleinen Pause und dem Mittagessen, machten wir uns schließlich noch zum zweiten Wasserfall auf – dem Montezuma Wasserfall, zu dem wir nicht so lange brauchten, vielleicht zwanzig Minuten.

Der Weg war zwar nur ein Viertel Mal so lang wie zum Cocalito Wasserfall, aber nicht weniger beschwerlich. Das wusste ich noch von früher und zog deswegen meine Sneaker an. Andere Schuhe hatte ich jetzt auch nicht mehr, meine Flipflops hatte ich mit dem recycelten Flipflop vom Strand nämlich entsorgt.

Der „Weg“ zum Wasserfall führt über einen Fluss und durch einen Wald. Wir stiegen also über nasse Steine im Fluss und kletterten das Ufer entlang, über Abhänge und Wurzelgewächse. Auch wenn ich es noch vom letzten Mal kannte (es sollte mein drittes Mal sein, dass ich mich zu diesem Wasserfall begab), fand ich es immer noch etwas abenteuerlich. Besonders die steile Steinwand, an der du mithilfe eines Seils entlang klettern musst, erforderte auch dieses Mal meine höchste Konzentration.

Das fand und finde ich aber immer noch so interessant an Costa Rica: Es zieht Touristen an wie sonst was, aber im Vergleich zu Deutschland ist die Beschriftung, Beschilderung und Infrastruktur zum Teil noch sehr sporadisch. In Deutschland hätte es an dieser Stelle wahrscheinlich eine Brücke gegeben, aber in Montezuma war man in der Wildnis auf sich allein gestellt und musste sehen, ob man es schaffte, eine steile Felswand mithilfe eines Seils zu überqueren. Leider habe ich kein Foto. Aber das Stück ist wiederrum auch nicht lang und daher machbar. Es waren vielleicht vier Meter, die wir überqueren mussten.

Montezuma Wasserfall April 2018

Montezuma Wasserfall November 2012 in der Regenzeit

Kurz darauf erreichten wir dann den Wasserfall, an dessen Becken Menschen saßen und in dem Kinder von einem Felsen reinsprangen. Sogar ein Straßenverkäufer hatte seinen Stand aufgebaut und unterhielt sich mit ein paar Touristen. Es war also ein beliebter und gut besuchter Ort trotz des etwas mühseligen Hinwegs.

Mir fiel aber gleich auf, dass auch dieser Wasserfall spärlicher aussah als ich ihn in Erinnerung hatte. Aber auch hier war das vermutlich die Folge der Trockenzeit.

Als sich die Sonne schon langsam ihrem Ende neigte, und da wir uns nicht im Dunkeln durch die Wurzel- und Stein-Stolperfallen begeben wollten, brachen wir dann um halb 6 wieder auf.

(Falls du es nicht weißt, die Dämmerung findet in Costa Rica in einer halben Stunde statt. Also um 6 Uhr abends ist es dann „auf einmal“ dunkel.)

Meine Freundin, die einen Schrittzähler auf ihrem Smartphone hat, verkündete am Endes des Tages stolz, dass wir 23,76 km gelaufen waren. 32.939 Schritte. Ihr neuer Rekord. Unser Rekord.

Als ich sie Monate später in Deutschland wiedertraf, hatte sich daran nichts geändert und wird es wohl auch nicht so schnell.

Was für ein langer, (schritt)erfüllter Tag das gewesen war.

 

Wenn du selbst einen Aufenthalt in Montezuma planst, dann schau auch mal bei meinen Tipps vorbei, vielleicht können sie dir weiterhelfen 🙂

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