Solentiname Inseln – Das isolierte Paradies (Teil 1)

Die Inselgruppe Solentiname befindet sich im großen Nicaragua See und besteht aus vier größeren Inseln und mehreren kleinen. Zum Übernachten hatten wir zur Auswahl die große Insel Isla Macarrón und die etwas kleinere Isla San Fernando, für die wir uns letzten Endes entschieden. Die Inseln sind hervorragend um abzuschalten und sich einem „Digital Detox“ zu unterziehen, da es kein WLAN gibt, dafür Natur pur wohin man schaut. Was und wie wir auf den Inseln erlebt haben, erfährst du in den folgenden Artikeln.

In El Castillo, wo wir vorher gewesen waren, hatte uns ein kanadisches Pärchen von den Inseln erzählt und so von ihnen geschwärmt, dass wir uns entschieden, die Semana Santa (Osterwoche) auf der Insel zu verbringen. Das hieß von Montag bis Freitag wollten wir auf der Insel bleiben, worüber ich froh war, da ich am Mittwoch Geburtstag hatte und an meinem Geburtstag nicht von A nach B wollte.

Die Hinfahrt

Zuerst mussten wir zu der Insel San Fernando hinkommen. Dafür nahmen wir ein Boot, das aus San Carlos abfuhr. Die Abfahrtsuhrzeit mussten wir dafür vor Ort nachfragen, denn es gab keinen richtigen Fahrplan. Aber wir fanden am Steg schnell den Bootsmann, der uns für Geld auf seine Liste schrieb.

Da wir San Carlos nicht als eine sympathische Stadt empfanden und es sonst nichts zu tun gab, machten wir uns es eine Weile auf dem Bootssteg bequem ehe mehr und mehr Touristen auf der Bildfläche erschienen und sich für die Bootsfahrt anstellten.

Kleine Anekdote:

Davor aber noch passierte es meiner Freundin, dass ihr ein 20 Dollar Schein aus der Hand flog. Der Wind wehte ihn runter zum Steg, an dem die Boote lagen und ich weiß gar nicht mehr genau, wie sie ihn zurückbekam, ich glaube ein Mann fing ihn auf und gab ihn ihr wieder. Aber was diese Situation so unvergesslich machte, war ein kleines Mädchen, was nach Erhalt des Geldscheines, zu meiner Freundin lief und mit erhobenen Finger ihr sagte: “Que tenga mucho cuidado!” und wieder davonlief. Meine Freundin verstand kein Spanisch, aber wir anderen zwei, die es taten lachten, weil das Mädchen gerade belehrend mitgeteilt hatte, dass meine Freundin sehr aufpassen sollte. Wie dieses kleine Mädchen einfach ausgesprochen hatte, was wahrscheinlich alle umherstehenden Nicaragunaer gedacht hatten. Es war herrlich.

Nachdem alle Touristen, die auf der Liste standen, da waren, ging es los. Zwei Boote legten ab und in unserem befanden sich fast nur deutsche Touristen an Bord. Mit an Bord war auch das ganze Reisegepäck und dieses plus die ca. 10 Menschen verursachten, dass das Boot ziemlich ins Wasser sank. So tief, dass bei dem hohen Wellengang des Sees so ziemlich jeder früher oder später nass wurde. Die Winde waren nämlich ziemlich stark und das Boot schwappte manchmal unruhig hin und her, sodass es mir vorkam, als seien wir auf dem Meer.

Meine Sitznachbarin wurde von einer Welle auf einmal komplett durchnässt. Ein Grund mehr auf meine Kamera und Wertsachen Acht zu geben. Wobei mit Diebstahl ich unter den deutschen Touristen auch nicht gerechnet hatte. Die Bootsjungen gaben uns schließlich irgendwann Plastikplanen um uns vor dem spritzenden Wasser zu schützen, indem die vordersten Passagiere die Planen hochhielten, aber da war es für den Großteil der Anwesenden eigentlich schon zu spät, wir alle hatten schon etwas abbekommen.

Das Hostel

Wir legten nach einer Weile auf der Insel San Fernando an und wir drei und ein Pärchen stiegen aus. Der Rest fuhr weiter zur Isla Macarrron.

Danach gingen wir zum Hostel „Mire Estrellas“, das wir unserem Reiseführer entnommen hatten, wo uns ein ruhiger, bodenständiger Mann begrüßte, der uns zuvorkommenderweise ein extra Bett in das verfügbare Doppel-Zimmer brachte, da wir zu dritt waren.

Mein erster Eindruck war sehr gut: Das Hostel lag direkt am See, es gab Hängematten und Stühle auf der Veranda. Gleich daneben befanden sich Hibiskus-Büsche, in denen manchmal Kolibris schwirrten. Es war alles sehr entspannt und natürlich. Am Seeufer liefen zudem Hühner herum, es hopsten ein Haufen winziger Krötenbabys umher und in den Bäumen zwitscherten exotische Vögel.

Am besten war der Steg, auf den wir uns abends setzten und von dem wir wunderschöne Sonnenuntergänge sehen konnten:

 

Was es auf der Insel gibt

Die Insel war der perfekte Ort um seine Seele baumeln zu lassen und einfach zu sein. Viel mehr konnten wir an diesem Ort auch nicht machen. WLAN gab es nicht. Es gab auch keinen Supermarkt, keine Bank, keine Bar, kein Café und kein Bäcker. Die Insel war einfach klein und hatte sicher nicht mehr als 30 Bewohner. Das macht diesen Ort aber zu dem Besonderen, was er ist: Dort herrscht keine Hektik, das Leben verläuft friedlich und langsam. Und das spiegeln auch die Inselbewohner wider.

Restaurants

Was es auf der Insel gab, waren zwei „Restaurants“ mit sehr begrenztem Mahlzeitangebot und dazugehörige kleine Kioske, in denen Snacks, Getränke und Haushaltsartikel verkauft wurden.

Eines der Restaurants wurde von einer Familie betrieben, die eigentlich das Bootsunternehmen, mit dem wir auch zur Insel gekommen waren, führte. Es kam mir allerdings nicht wie ein Restaurant vor. Wir hatten eher das Gefühl, bei der Familie zu Gast zu sein und an ihrem Esstisch zu essen. Aber natürlich bezahlten wir die Mutter am Ende. Während ihr Mann und ihre Söhne mit Bootsfahrten und dem Kiosk beschäftigt waren, bekochte sie uns und nebenbei war sie auch Künstlerin und verkaufte Bilder.

Museum

Zudem gibt es auf der Isla San Fernando noch ein Museum, in dem die Flora und Fauna der Inseln und des Sees erläutert wird.

Bild aus dem Museum, das das Inselleben darstellt

Wir erfuhren aber nur von einem Bewohner, dass es das Museum gibt. Ausgeschildert war es nicht. Der Mann war sehr freundlich und zeigte uns die Richtung. Doch wir fanden es erst, als uns ein kleiner Junge hinführte.

Das Museum befindet sich oben auf einem Hügel, weit rechts von dem Bootssteg und ist über einen Trampelpfad erreichbar. Als wir ankamen hieß uns eine Frau willkommen, wir zahlten Eintritt und befanden uns schließlich im kleinen Museum mit Bildern, Fotos und spanischen Texten zur Inselgruppe Solentiname. Wer also Spanisch beherrscht und sich für die Geschichte und Natur der Inseln interessiert, für den ist das Museum empfehlenswert.

Wanderung auf der Insel

Nach zwei Tagen, an meinem Geburtstag, erkundeten wir noch die Insel, wobei der Hostelbesitzer uns eigentlich gesagt hatte, dass wir nur mit einem Guide auf der Insel herumlaufen sollten. Warum genau, erfuhren wir aber nicht und dafür bezahlen wollten wir auch nicht. Also gingen wir auf eigene Faust los Richtung Inselmitte. Wir gingen einen Trampelpfad, der einen Hügel hinaufführte und einen Weg durch Wald und Wiese entlang bis wir bald auf eine verlassene Weide stießen. Auf ihr befand sich ein kleiner Stall, aus dem uns ein Schwein anschaute. Während wir über die Weide liefen um dem Weg zu folgen, fragte ich mich, ob wir uns gerade auf einem Privatgrundstück aufhielten und gleich eine Herde Rinder auf uns zukommen würde oder ein Bauer, der sich wunderte, was wir hier machten. Es blieb aber still.

Die Rinder sahen wir später aus der Ferne. Ebenso wie Bananenplantagen, Avocadobäume und viele (Hibiskus-)Blumen. Außerdem erreichten wir einen Aussichtspunkt, von dem wir den See und andere Inseln sehen konnten. Da es schon spät war und wir uns den Sonnenuntergang um kurz vor 6 Uhr am See anschauen wollten, kehrten wir danach wieder um.

Geschehen ist uns nichts und verlaufen haben wir uns bei diesem kleinen Ausflug auch nicht. Eine Wanderung zur Inselmitte, die auf die Hügel führt, kann ich daher guten Gewissens weiterempfehlen.

Wie wir uns ernährten

Da das Hostel keine Küche besaß, in der wir kochen konnten und es auf der Insel keinen Supermarkt oder ähnliches gab, mussten wir immer in den Restaurants essen. Das bedeutete wir aßen täglich zu jeder Tageszeit Reis mit Bohnen, Salat und Geflügel/Fisch (Letzteres gab es aber nicht immer). Dafür mussten übrigens immer in den Restaurants Bescheid sagen, wann und was wir essen wollten. Es war nicht so wie in üblichen Restaurants, dass es eine Speisekarte gab. Sondern wir besprachen mit den Köchinnen, wann und was es zu Essen geben konnte. Schließlich mussten die Frauen ihr Angebot an ihren Vorrat anpassen. Wenn kein Fisch gefangen oder kein Huhn geschlachtet wurde, dann konnten sie es uns auch nicht servieren. Manchmal als Variation hatten sie auch Pasta im Angebot, die aus einer großen Portion Spaghetti und einer süßlichen Tomatensoße mit vielen Zwiebeln bestand. Das und das typische Reis und Bohnen Gericht waren die üblichen Gerichte auf der Insel.

Vier Tage waren wir insgesamt auf der Insel und irgendwann “ernährten” wir uns auch von den Snacks, die es in den Kiosken zu kaufen gab, denn uns fehlte ein wenig die Abwechslung.

 

Uns fehlte die Abwechslung am Ende allgemein etwas. Das mochte aber daran liegen, dass wir gerade aus einem Dorf im Dschungel gekommen waren. Jetzt waren wir gefühlt noch entfernter und abgeschiedener von der Zivilisation und es war einfach nicht viel los, (was aber auch an der Osterwoche gelegen haben könnte).

Wie wir unsere Zeit dennoch abwechslungsreich gestaltet haben und was wir sonst noch auf den Solentiname Inseln unternahmen, kannst du im nächsten Artikel lesen.

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