Solentiname Inseln – Das isolierte Paradies (Teil 2)

Nachdem ich im letzten Artikel beschrieben habe, wie unser Aufenthalt auf der Isla San Fernando war, erfährst du hier, was wir auf den anderen Solentiname Inseln entdeckt haben. Komm mit und entdecke ein besetztes Hotel, eine alte Höhle, Wandmalereien indigener Völker und eine Mini-Insel namens “der Teller”.

Tour zur Isla Macarrón

Unser Hostelbesitzer hatte einige Touren im Angebot, von denen wir zwei in Anspruch nahmen. Die erste Tour beinhaltete einen Ausflug zur Solentiname Insel Isla Macarrón. So fuhren wir am Dienstag mit seinem Sohn und einem deutschem Pärchen zur besagten Insel. An sich ist die Insel die Größte der ganzen Inselgruppe und dort machen dementsprechend auch die meisten Touristen Urlaub. Dennoch begegnete uns in den zwei Stunden, in denen wir dort waren, fast kein Mensch. Wahrscheinlich lag das auch an der Uhrzeit, da es früher Nachmittag und sehr heiß war. Gut war, dass wir selbst etwas Verpflegung mitgenommen hatten, besonders Getränke, da wider Erwarten es auch hier keinen Supermarkt gab. Ein Restaurant begegnete uns auf der Route für Touristen, die mehr oder weniger ausgeschildert war, erstaunlicherweise auch nicht.

 

Was uns aber begegnete, waren viele Künstler, die ihre selbst gemalten Bilder und bemalten Holzfiguren in ihren Häusern austellten und zum Kauf anboten. Die Kunstwerke waren alle sehr farbenfroh und exotisch. Am besten gefielen mir Landschaftsbilder in kräftigen Farben, die das Inselleben und die Natur abbildeten. Die Kunstwerke und der Stil ähnelten sich aber von Haus zu Haus und preislich waren sie nicht unbedingt günstig. Auch stellten wir uns wie so oft auf Reisen die Frage, wie man ein 1 Quadratmeter großes Bild als Reisender nach Erwerb transportieren soll.

Die Kirche auf der Isla Macarrón (durch das Fenster fotografiert)

Dem Rundgang auf der Insel folgend kamen wir auch an einer Bibliothek und einer Kirche vorbei, die beide jedoch geschlossen waren. So erschien mir auch hier auf der Isla Macarrón alles – vermutlich durch die Osterwoche – sehr ruhig und isoliert zu sein. Doch es gefiel mir so. Wir machten quasi in Ruhe einen Sonntagsspaziergang an einem Dienstag. Die Insel erschien zudem wie großer Park mit Häuschen, durch den wir schlenderten. Oder eine Schrebergarten-Siedlung trifft es auch ganz gut:

Was wir jedoch etwas eigenartig und bemerkenswert fanden, war das Hotel Macarrón, das laut einem Ernesto Cardenal illegal übernommen wurde. Wir sahen das Hotel von weitem, ebenso den Banner mit der roten Schrift (“Sie stehlen uns das Hotel Macarrón. Unterstütze nicht die Diebe!”), der uns aufmerksam machte. An einem Pfahl fanden wir schließlich Zettel:

Ich fragte mich dabei, wie lange das wohl schon der Fall war und wie aktuell. Die Hilflosigkeit des Verfassers hinterließ bei mir zumindest ein betrübtes Gefühl. Vor allem da ich mir nicht vorstellen konnte, dass Touristen, die erst von diesem Zustand erfahren, wenn sie auf der Insel sind und vermutlich schon das Hotel gebucht haben, ihre Buchung stornieren und somit “die Diebe nicht unterstützen”. Ob das Geschriebene wirklich stimmt, ist auch die Frage. Aber mit so einer Ungereimtheit hatte ich an diesem Ort nicht gerechnet.

Alles in allem fand ich die Insel aber auch sehr schön. Doch wir bereuten nicht, dass wir uns für die Isla San Fernando für unseren Aufenthalt entschieden hatten.

Ausflug zur Höhle La Cueva Del Duende und Insel El Plato

Die zweite Tour, die es in unserem Hostel im Angebot gab, enthielt einen Besuch einer Höhle und eine Rundfahrt zwischen den Solentiname Inseln an sich. Davon machten wir am Donnerstag, unserem vorletzten Tag, Gebrauch und fuhren mit unserem freundlichen Hostelbesitzer los um u.a. auch den indigenen Völkern auf die Spur zu kommen, die er zuvor erwähnt hatte.

Es ging vormittags mit dem Boot los, das sich mit brummendem Motor vorwärts bewegte und schaukelnd auf den Wellen tanzte. Bald schon kamen wir an kleinen Inseln vorbei, auf denen Affen und Vögel hausten. Dabei erzählte uns der Hostelbesitzer, dass sich auf der Isla de Padre nur ein einziges Haus befindet und in den 80er Jahren auf einer Insel, deren Namen ich nicht mehr weiß, Affen ausgesetzt wurden. Seitdem gibt es auf einigen Solentiname Inseln Brüllaffen.

La Cueva Del Duende

Unser erster Stopp war an dieser Höhle, La Cueva Del Duende (“Höhle des Kobolds”), die von den indigenen Einwohnern erschaffen wurde. Der Eingang war nur über glitschige, moosbewachsene Steine erreichbar, auf denen ich einmal fast ausgerutscht wäre. Uns wurde erklärt, dass heutzutage die Einheimischen die Höhle nie betreten haben und so niemand weiß, was sich in der Höhle befindet oder wie groß sie ist und wo sie endet. Es wird vermutet, dass sie ans andere Ende der Insel (Isla Venada) führt. Aber es sei einfach zu gefährlich dort hinein zu gehen, da in ihr viele Insekten und Fledermäuse hausen und möglicherweise auch giftigen Spinnen oder Schlangen.

Nach eigener Recherche habe ich herausgefunden, dass diese Höhle 1995 untersucht wurde, wobei in ihr 161 Eingravierungen entdeckt wurden, die hauptsächlich menschliche und tierische Figuren darstellen. Außerdem stellte die Höhle den Eingang zum Totenreich bzw. in das Paradies für die indigenen Menschen dar.

Neben den glitschigen, moosbewachsenen Steinen, auf denen wir standen um einen Einblick in die Höhle zu erhalten, befanden sich außerdem Eingravierungen wie diese hier. So musste es in der Höhle wohl auch aussehen.

Mini-Insel El Plato

Unser nächster Halt war eine winzige Insel namens El Plato (“der Teller”). Im ersten Moment gab es hier nicht viel zu sehen, es war schließlich nur eine Steinplatte im See mit ein paar Pflanzen.

Doch dann zeigte uns der Hostelbesitzer auch hier Eingravierungen in Stein, dieses Mal auf dem Boden. Es soll sich dabei um eine schwangere Frau und einen Menschen mit Leguankörper handeln.

Beim weiteren Herumlaufen entdeckte ich bald eine tote Schildkröte und wurde schon etwas traurig, weil ich Schildkröten mag, als der Hostelbesitzer kam und sagte, dass die einheimischen Künstler der Solentiname Inseln die Panzer von toten Schildkröten manchmal aufsammeln und sie bunt bemalen. Das fand ich dann wieder schön.

Was ich nicht so schön fand, war eine Plastikverpackung, die in den Büschen lag. Also auch hier war die Natur nicht vor den Menschen sicher. Unser Hostelbesitzer erzählte nebenbei, dass er manchmal allein oder mit Freunden hierher kommt, um zu angeln, grillen und sich zu entspannen. Vor allem jetzt nach Ostern, wo “mehr Betrieb” auf den Inseln und in seinem Hostel war, freute er sich schon, sich bald auf El Plato eine Auszeit zu nehmen.

Bei dieser Aussage musste ich schmunzeln. Alles ist so relativ. Der Mann wohnt quasi in einem Paradies mit Natur pur auf einer kleinen isolierten Insel, wo alles gemächlich und ruhig von statten geht. Und doch braucht auch er Entspannung und findet diese auf einer noch kleineren Insel, wo es fast gar nichts gibt. Diesen Lebenstil fand ich faszinierend.

Beim weiteren Umherschauen entdeckte ich Flora und Fauna mäßig schließlich noch Kaulquappen, die sich sicher zu den Kröten entwickelten, von denen es auf den Inseln einen Haufen gab. Ebenso wie auch 5 cm große Raupen mit Stacheln und ein paar Kokons. Was für ein guter Ort El Plato für sie sein musste, denn viel Fressfeinde gab es hier nicht.

Nach einer viertel Stunde Aufenthalt auf dieser Mini-Insel begaben wir uns wieder zu unserem Boot und kehrten wieder zum Hostel auf der Isla San Fernando zurück. Vorbei an weißen Kranichen, herumturnenden Affen und glitzernder Sonne auf dem See.

Die Kröten auf den Solentiname Inseln

Wenn ich schonmal bei Tieren bin, dann komme ich zum Schluss noch zu den bereits genannten Kröten, welche die Tiere waren, von denen ich am meisten gesehen habe. Auf der Isla San Fernando war unter den Bäumen am Seeufer und auf dem Bootssteg der ganze Boden immer voll mit winzigen Kröten. Ich habe etwas für winzige Tiere (aber keine Insekten 😉 ) übrig und schaffte es einmal eine kleine Kröte zu fangen:

Nachts kamen zusätzlich die erwachsenen Kröten hervor und die waren natürlich nicht mehr süß. Diese faustgroßen Tiere sahen aus, wie ich mir auch immer die Kröten aus Märchen vorgestellt hatte. Aber schon das Anfassen wäre nicht in Frage gekommen. Denn sie sprangen immer sofort weg, wenn wir näher kamen. Also Angst braucht man vor ihnen nicht zu haben.

Mein Fazit

Mir hat der Aufenthalt auf den Inseln auf jeden Fall gefallen. Dennoch war er ein wenig zu lang. Ich empfehle, dort nicht länger als drei Tage zu bleiben.


Ein Besuch lohnt sich, wenn

  • du Natur magst
  • Ruhe und Entschleunigung möchtest oder dir eine Auszeit von allem (auch Internet) gönnen willst
  • du kein Actionprogramm brauchst

Für mich persönlich waren die Solentiname Inseln (ich spreche hauptsächlich für Isla San Fernando) ein wunderschönes, naturbehaftetes Paradies. Ich hatte das Gefühl, aus der Welt ausgestiegen zu sein. Vor allem, weil ich ohne Internet wirklich isoliert war. Das Leben war so einfach, langsam und leicht. Und so ein Leben war etwas, was ich mir vor der Reise sogar gewünscht hatte.

Dennoch, dieser Aufenthalt hat mir deutlich vor Augen geführt, dass das Leben an sich mehr zu bieten hat als diese entschleunigte Seite und ich Großstädte mit allem drum und dran auch mag. Die Mischung macht’s. Und gehen sollte man, wenn es am Schönsten ist. Das war auch mit den Inseln der Fall gewesen.

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