Tipps für Ausslandssemester als Eramus Student in Valencia

 

Die Stadt der Künste und Wissenschaften

Zieht es dich nach Valencia? Machst du vielleicht sogar ein Auslandssemester dort? Dann ist dieser Artikel für dich. Ich war von August 2015 bis Juli 2016 in Valencia als Erasmusstudentin und kann dir sagen, dass Valencia eine großartige Stadt ist und wirklich viel zu bieten hat.

In diesem Artikel kannst du ein paar meiner Erfahrungen nachlesen, die ich mit Unterkünften, dem Studium an der Gasthochschule, der Sprache, dem Wetter und dem Leben in Valencia gemacht habe. Und am Ende gebe ich dir ein paar Empfehlungen weiter.

Wohnung finden und Wohnungswechsel

Im Internet gibt es zahlreiche Seiten für Erasmusstudenten, wo man nach Wohnungen suchen kann. Ich fand meine erste Wohnung in einer Facebook-Gruppe. Es ist eigentlich egal, wo du guckst, du findest früher oder später eine Wohnung, denn in Valencia gibt es sehr viele. Bei rechtzeitiger Suche, so wie ich im April bevor ich im September nach Valencia ging, kann es mit der Wohnung sehr schnell klappen. Nachteil ist natürlich, dass du bei Suche übers Internet die Mitbewohner nicht persönlich kennenlernen kannst und die Wohnung nur von Fotos kennst.

Ich habe auch mehrere Studenten getroffen, die in ihrer ersten Zeit in Valencia in Hostels oder Airbnb Wohnungen gelebt haben, um sich dann vor Ort eine gute Wohnung zu suchen.

Wohnungswechsel (wegen Probleme mit Mitbewohnern oder Vermieter)

Viele Studenten wohnen in der Straße Blasco Ibañez oder in der Nähe davon

Insgesamt habe ich in meinen zwei Auslandssemestern zweimal die Wohnung gewechselt und das ging immer ziemlich schnell. Innerhalb einer Woche nach Besichtigungsterminen hatte ich ein Zimmer in einer neuen WG. Gefunden habe ich die online, wobei ich auf Englisch und Spanisch nach Wohnungen gesucht habe und bin so auf diversen Wohnungsvermittlungsseiten gelandet. Meine drei Wohnungen habe ich letzten Endes aber immer durch Facebook gefunden.

In drei verschiedenen Wohnungen habe ich also gewohnt. Zweimal musste ich die Wohnung wechseln. Das wünsche ich keinem, aber ich war auch nicht die einzige, der es so ergangen ist. Dennoch hier zwei Tipps, die ich dir nicht vorenthalten möchte und mit denen du eventuell unschöne Situationen vermeiden kannst:

  1. Ich empfehle, sich ein Zimmer in einer bereits bestehenden WG zu suchen, am besten eine typische Erasmus-WG, wo es normal ist, dass Mieter kommen und gehen.

Meine zweite Wohnung war nämlich eine neu gegründete WG und wir machten mit der Vermieterin einen neuen Vertrag aus für fast ein ganzes Jahr (Oktober 2015 bis Ende August 2016). Wir hatten mit dieser Vermieterin jedoch ein so großes Pech, dass meine zwei Freunde und ich nach sechs Monaten die Wohnung verlassen wollten (zum Glück kann der Mieter nach spanischem Gesetz den Vertrag nach sechs Monaten kündigen). Dabei verloren wir aber die Kaution (300 Euro, zwei Monatsmieten), weil wir uns nicht an den Vertrag hielten.

Wenn du in eine WG ziehst, die eine Erasmus WG ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Vermieter Erasmusstudenten gewohnt ist und (wahrscheinlich/hoffentlich) nicht viele Probleme macht.

  1. Jedoch können auch Mitbewohner Probleme machen. Das durfte ich in meiner ersten WG lernen. Mein zweiter Tipp ist also, dass man nicht nur auf die Wohnung und den Preis achten sollte, sondern auch auf die Menschen, die in der WG leben und auch auf deren Lebensstil. Ein vorheriger Besuch ist daher nur ratsam um zu gucken, ob es passt. Dabei dann auch immer schön auf sein Gefühl hören.

Streit gibt es hauptsächlich wegen Sauber machen und Party machen bzw. Ruhe haben wollen. Am besten ist es, wenn man sich mit den Menschen versteht. Dann kann man auch damit leben, dass die Wohnung ein wenig schäbig ist, es ist ja auch nur für ein paar Monate.

Studium an der Gasthochschule

Ich habe an der Universität Politecnica de Valencia (UPV) studiert und es hat mir gut gefallen. Die Angestellten aus dem International Office meiner Fakultät Design Engineering waren immer hilfsbereit und freundlich und ich bekam keine Probleme von der Seite der UPV bezüglich Bewerbung, Studium und Verlängerung. Ja, ich habe von einem Semester auf zwei Semester verlängert, da ich mein Spanisch weiterhin verbessern wollte und fünf Monate einfach zu kurz sind.

Im Wintersemester hatte ich sehr interessante Kurse und mir hat der Unterricht wirklich gefallen. Diese Kurse in der Design Engineering Fakultät empfehle ich sehr, wenn du dich für (Produkt-)Design interessierst:

Taller de Diseño I, Diseño gráfico y communicación, Diseño Estratégico

Ich hatte alles auf spanisch, aber das war in Ordnung, da ich keine Klausuren schrieb, sondern nur an Projekten und in Gruppen arbeitete. Um die Dozenten zu verstehen, solltest du schon mindestens das Sprachlevel B1 haben, da einige wirklich schnell sprechen und die meisten, das gilt übrigens für alle Valencianer, kaum Englisch sprechen. Aber zu den Sprachen später mehr.

Im Sommersemester fand ich nur wenig Fächer interessant oder sinnvoll für meinen deutschen Studiengang. Ich belegte daher in der Fakultät Bellas Artes ein Fach. Vielleicht kannst auch du dir Fächer von anderen Fakultäten aussuchen. Vor allem bei meinem Studiengang machte das Sinn, da er aus Informatik und Design besteht. Ich weiß natürlich, dass jede Uni das anders handhabt. Bei mir war es aber alles ziemlich locker und dafür bin ich sehr dankbar.

Der Campus

Im Vergleich zu meiner FH war die UPV riesig und hat auch einen riesigen, wunderschönen Campus. Der Campus ist wie ein eigenes Stadtviertel mit einer Bank, Arzt, Apotheke, Restaurants, Fitnessstudio und mehr.

Bekannt ist die UPV für ihr großes Sportangebot und das sieht man schnell, wenn man sich auf dem Campus befindet. Dort sind Tennisplätze, ein kleiner Sportplatz und Kletterwände zu sehen. Und für einen geringen Beitrag pro Semester kann man eine Sportmitgliedschaft erwerben und alle möglichen Sportarten und Kurse ausprobieren.

Der Campus der UPV ist sehr großflächig und gepflegt. Teilweise ein bisschen wie im Paradies 😉

Sprache

Wie schon erwähnt, solltest du für spanischen Unterricht mindestens das Sprachlevel B1 in Spanisch beherrschen, sonst kann es sein, dass du die Dozenten nicht verstehst. Abgesehen von einem konnte ich alle verstehen. Die Studenten hingegen konnte ich teilweise nicht einmal am Ende meines Aufenthalts verstehen, weil sie sehr schnell sprechen oder sie hatten einen valencianischen Akzent. (Hinzu kam, dass ich mehr an das Spanisch aus Lateinamerika gewohnt war.)

Die valencianische Sprache ist sowieso so eine Sache. Die Straßennamen oder in der Metro, also vieles in der Öffentlichkeit, ist in Valencianisch. Und mir ist es am Anfang meiner Zeit dort passiert, dass Studenten, mit denen ich in einer Gruppe gearbeitet hatte, auf einmal Valencianisch sprachen, ich den Wechsel aber nicht mitbekam und zuerst verwirrt war, dass ich sie nicht verstehen konnte, da es Spanisch sehr ähnlich klingt. Der Wechsel zwischen Spanisch und Valencianisch ist normal, meinte daraufhin jemand. Vor allem die Menschen aus Dörfern der Provinz Valencia sprechen Valencianisch.

Ich persönlich habe mich nur für Spanisch interessiert und leider erst im zweiten Semester, als ich mit einem Spanier zusammenwohnte und Freunde aus Lateinamerika hatte, es wirklich verbessern können.

Deshalb ein weiterer Tipp: Wenn du wirklich dein Spanisch verbessern möchtest, dann ist es ratsam mit Spanisch sprechenden Menschen zusammen zuziehen (Spanier, Lateinamerikaner, Italiener, denn die sprechen auch eher spanisch als englisch) und Sprachaustausch-Events besuchen. Denn sonst landest du wahrscheinlich doch beim Englisch oder Deutsch sprechen (Deutsche sind überall und so viele oder? 😉 ).

Alltag und Freizeit

Valencia ist eine schöne Stadt, nicht zu groß und mit sehr unterschiedlichen Gegenden.

  • Es gibt viele Zonen mit Bars und Restaurants bspw. Plaza del Cedro, Plaza del Xuquer, Blasco Ibañez, Calle de Polo y Peyrolón – alles super für Studenten, denn dort findest du günstiges Essen und Trinken und es ist fast immer etwas los.
  • Der Strand mit Bars, Restaurants und Clubs (viele Touristen im Sommer)

  • Das Viertel namens Stadt der Künste und Wissenschaften (Ciudad de las Artes y Ciencias) mit moderner Architektur und einem angesagten Club (Umbracle/Mya)

Die Stadt der Künste und Wissenschaften

  • In den Vierteln Ruzafa und Benimaclet habe ich mich ganz anders gefühlt, als im Rest der Stadt. Mir haben diese Viertel so gut gefallen, weil sie nicht wie die Gegend um Blasco Ibañez aussahen. Sie sind etwas alternativer und haben eine andere Atmosphäre. Benimaclet war auch mal ein Dorf, die Häuser sehen deshalb auch anders aus (sind niedriger).
  • Das gleiche gilt für das Viertel im Zentrum El Carmen. Es ist die Altstadt und hat ein wunderschönes Ambiente zu jeder Tageszeit.

Valencias Innenstadt

So gesehen gibt es ein großes Angebot an Orten, in denen du etwas machen kannst. Vor allem im Sommer ist ständig etwas los (Festivals, Open-Air Kino, Live-Musik etc. und das meiste draußen). Und zum Party machen ist die Stadt auch super, da die Studentenbars günstig sind und für Eintritt in die meisten Clubs man einfach seinen Namen auf eine Liste setzen lassen kann (via Facebook-Veranstaltung oder einer App namens Xceed) und dann freien Eintritt bis zu einer bestimmten Uhrzeit hat.

Zu meinem Alltag kann ich sagen, dass mir nie langweilig wurde: Ich ging zur Uni, machte alle Hausaufgaben und ging dann an den Strand, in die Stadt oder mit Freunden aus, etwas essen und trinken (Essen gehen kann sehr günstig sein) und am Wochenende in Clubs. Ich unternahm auch ein paar Reisen auf eigene Faust oder Tagestrips mit Erasmus-Organisationen wie Happy Erasmus und ESN.

Das Wetter

In Valencia ist es meistens sonnig, auch im Winter.

Zum Wetter möchte ich nur darauf hinweisen, dass es schon recht kalt wird im Winter. Bis Oktober war es warm, auch im Haus. Ab November bis Februar war es dann aber kalt (10 Grad oder etwas mehr), zwar immer viel Sonnenschein, aber da die Häuser grundsätzlich anders als in Deutschland gebaut und nicht gut abgedichtet sind, wurde es drinnen im Winter sehr kalt und ungemütlich. Und es gibt meistens keine Heizung, sondern nur höchstens eine Klimaanlage, die heizen kann.

Erst ab Ende Mai kam dann eine klimatische Veränderung und es wurde wieder warm. Ich denke, es kann aber auch schon ab März wieder wärmer werden, 2016 war leider ein Jahr mit viel Regen.

Fazit

Im Ausland zu leben ist eine Erfahrung, die jeder machen sollte und Erasmus+ ist eine tolle Gelegenheit dafür. Valencia ist wirklich eine schöne Stadt und ich rate dir, nimm so viel mit wie es geht. Die Zeit ist schnell vorbei. Ein Höhepunkt waren die Fallas im März, die so aufregend und einzigartig sind. (Die Fallas sind ein valencianisches Stadtfest, über das du in diesem Artikel mehr erfahren kannst.)

Eine Figur (Ninot) des Stadtfestes “Fallas”

Außerdem, wenn du wirklich Spanisch lernen willst, dann musst du dafür sorgen. Denn man kann auch wunderbar fünf Monate oder mehr in Valencia verbringen und mit wenig Spanisch auskommen.

Wenn du offen und positiv nach Valencia gehst, dann wirst du mit neuen Freunden aus vielen verschiedenen Ländern, Spanischkenntnissen, Kenntnissen einer anderen Kultur, neuen Erfahrungen und einem erweiterten Horizont nach Hause kehren.

Ich wünsche dir eine großartige Zeit!


Für allgemeine Informationen zu Valencia und was du dir nicht entgehen lassen solltest, dann schau mal in meinen Mini Travelguide.

Und sonst, für nützliche Hinweise zum Leben als Austauschstudent in Valencia fand ich Happy Erasmus hilfreich bezüglich: Wo man am besten hinzieht, die Verkehrsmittel in Valencia, Erasmus in Valencia, typisches Essen und vieles mehr wird dort detailliert auf Englisch und Spanisch beschrieben:

Für das kulturelle Programm ist Love Valencia hervorragend. Dort findet man so gut wie alle Events, sei es ein Konzert, Party, Tapas Festival, Theater, Kino etc.

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