Warum du Einreisebedingungen beachten solltest

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Gehörst du auch zu den Menschen, die Bürokratie am liebsten links liegen lassen würden? Ich schon. Dass ich das nicht tun sollte und was das vor allem beim Reisen für Folgen haben kann, kannst du in dieser Kurzgeschichte erfahren.

Meine sparsame Reiseplanung

Die Reise nach Mittelamerika ging dieses Mal richtig verplant los. So wie ich auch schon davor die ganze Zeit gewesen war. Ich hatte mich die Wochen vor der Reise kaum mit irgendetwas bezüglich der Reise beschäftigt. Wohin genau es in den beiden Ländern gehen sollte, war mir ziemlich egal, Costa Rica kannte ich schon und sonst wollte ich spontan sein oder meinen Freundinnen den Plan überlassen. Mein Kopf war wirklich mit anderen Dingen beschäftig, außerdem hatte ich gerade mein Studium hinter mir. Ich zog danach “go with the flow” einem geplanten und geregelten Leben vor und das machte sich auch bei meiner Reiseplanung bemerkbar.

Irgendwann fiel mir aber ein, dass ich mir die richtige Währung besorgen musste und so holte ich mir ein paar Dollar, denn damit war ich dann sowohl in Costa Rica als auch Nicaragua fürs erste versorgt. Das erledigte ich immerhin eine Woche bevor die Reise losging. Dann fielen mir aber auch noch die Impfungen ein und ich überprüfte meinen Impfpass. Zum Glück hatte ich noch alle empfohlenen oder notwendigen Impfungen von vor sechs Jahren. Ansonsten wäre es zeitlich auch sehr knapp geworden. Dann erwähnte meine Mutter noch, dass ich überprüfen müsste, ob der Reisepass noch gültig ist. Ja war er, etwas mehr als drei Monate noch.

Also war jetzt alles geklärt oder? Ich wollte einfach nur weg und entspannen.

Am Flughafen

Dass ich mich mit Einreisebedingungen auseinandersetzen sollte, wenn ich in ein mir fremdes Land wie Nicaragua reise, lernte ich dann aber ganz schnell. Und zwar schon im Flughafen, als ich meinen Rucksack aufgab. Die Frau am Schalter sagte zu mir, als sie meine Daten und Reisepass überprüfte, dass ich mit Costa Rica Glück gehabt hätte, da die meisten Länder eine längere Gültigkeitsfrist des Reisepasses verlangten. Ich sagte, ich wisse das.

Ja, ich wusste es noch von früher. In Costa Rica war ich schließlich schon einmal gewesen. Doch dann fragte ich vorsichtshalber nach, wie es mit Nicaragua wäre. Dafür brauchte sie zunächst den Namen einer nicaraguanischen Stadt, in der es einen Flughafen gibt. Ich hatte keine Ahnung, weil ich mich nicht mit Nicaragua auseinandergesetzt hatte. Ups. Nur ein paar Empfehlungen für das Land hatte ich mir von Freunden eingeholt. Den Namen der Hauptstadt Managua, musste ich also erstmal mit meinem Handy recherchieren.

Die Frau am Schalter tippte schließlich etwas in den Computer und teilte mir mit, dass Nicaragua eine Mindestgültigkeit des Reisepasses von sechs Monaten verlangt.

Oh verdammt. Ich bedankte mich bei ihr und ging mit einem leichten Schreckensgefühl von “Das darf nicht wahr sein” und “Ich habe einen Riesenfehler gemacht” zu meinem Gate. Dort teilte ich meinen Freundinnen, die ich erst in Amsterdam in einem Zwischenstopp treffen würde, mit, dass ich nicht mit nach Nicaragua reisen könnte und dann einfach in Costa Rica bleiben werde. Panama, das andere Nachbarland von Costa Rica, das ich als Alternativreiseziel in Erwägung zog, hatte leider auch eine sechs Monate Frist.

Unwissenheit schützt nicht

Ich ärgerte mich über mich selbst, aber gleichzeitig wusste ich, irgendwie wird das schon werden.

Und das wurde es zum Glück auch. Eine Freundin meinte, dass es so eine Art Notfallpass gibt. Ein Hoffnungsschimmer! Ich recherchierte also im Internet, was es für Pässe gab und ob es somit doch noch eine Möglichkeit für meine Einreise nach Nicaragua geben könnte. Dabei war ich so froh wie nie zuvor, dass das Boarding erst in einer Stunde losging.

Ich fand heraus, dass die Polizei am Flughafen mir etwas gleichwertiges wie einen Reisepass ausstellen konnte. Daraufhin machte ich mich auf die Suche nach ihnen und fand kurze Zeit später einen hilfsbereiten Polizisten. Ich folgte ihm durch den Sicherheitscheck, raus aus dem Gatebereich, also falsche Richtung und ich fühlte mich etwas merkwürdig. Hoffentlich musste ich mich da nicht wieder anstellen. Beim Bundespolizeischalter stellte sich aber am Ende heraus, dass sie mir nur einen Reiseausweis ausstellen konnten, der nur für die Dauer meiner Reise gültig gewesen wäre, was mir für Nicaragua nichts gebracht hätte. Die Polizisten wiesen mich aber darauf hin, dass es einen vorläufigen Reisepass gibt. Und diesen beantragte ich dann letzten Endes in der Deutschen Botschaft in San José, der Hauptstadt von Costa Rica.

Ein bisschen strapazierte es schon meine Nerven. Wie gesagt, damals hatte ich so gar keine Lust auf Bürokratie und jetzt musste ich mich auch noch auf meiner Reise, die mich auf andere Gedanken bringen sollte, mit einem Amt in Verbindung setzen und wichtige Dinge klären. Das war ein kleiner Stimmungskiller die ersten Tage.

Aber das war alles nur halb so schlimm letzten Endes, denn ich hatte mal wieder ziemliches Glück. Einen Termin mit einem Mitarbeiter des Amtes musste ich mir eigentlich über ein Onlineformular holen, doch ein freier Termin lag über eine Woche in der Ferne. Das war zu lang, da wir einen Zeitplan einhalten mussten. Meine Freundinnen hatten leider nur sehr begrenzte Zeit um zu reisen. Ein wenig verzweifelt versuchte ich, den Angestellten der Deutschen Botschaft zu überreden, einfach so vorbeikommen zu dürfen.

Und er war tatsächlich so hilfsbereit, sodass ich zwei Tage nach meiner Ankunft in dem kleinen Warteraum in der Deutschen Botschaft saß und mir erstmal anhören konnte, wie zwei deutsche junge Frauen etwas von Interpol sagten und dass sie das Land sofort verlassen wollten. Ich hatte den großen Drang zu fragen, was passiert war. Aber konzentrierte ich mich lieber auf meinen Reisepass und die Formulare, die ich dafür ausfüllen musste. Und schließlich  wurde mir der vorläufige Reisepass überreicht.

Ich bin dem Angestellten dafür unendlich dankbar.

Ich schwor mir von jetzt an immer alles zu überprüfen und gleich richtig zu machen, auch wenn ich Bürokratie und alles, was dazugehört nicht ausstehen konnte (und daher immer vermied, wenns ging). Diese Ungewissheit und der damit einhergehende Stress die ersten zwei Tage hätte ich meinen Freundinnen und mir gerne erspart. Auch musste ich Passfotos machen und einen guten Fotografen in San José zu finden war nicht leicht gewesen.

Somit hatte ich die erste Lektion gleich erhalten und gelernt! Unwissenheit schützt nicht und auch ich muss mich mit den Regeln und Gesetzen auseinandersetzen. Aber es ist nochmal gut gegangen und ich bin von dort an mit dem grünen vorläufigen Reisepass, der ein Jahr gültig ist, herumgereist.

Da der Reisepass grün ist, fiel er natürlich auf, und ich wurde einmal von einer freundlichen Polizistin gefragt, ob ich Diplomatin sei. Oft waren die Soldaten oder Polizisten, die uns überprüften (an der Grenze z.B.) aber eher misstrauisch und behielten meinen Pass häufig dreimal so lange wie die Pässe der anderen und einer machte sogar ein Foto. Ich vermute, die meisten hatten so einen noch nie zuvor gesehen. Aber ich auch nicht.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich in diesem Fall verantwortungsvolles Handeln/Planen ausgezahlt hätte (so wie immer wahrscheinlich), aber dass es zum Glück auch immer Lösungen gibt, wenn man nicht resigniert und aufgibt.

Gleich zu Beginn so viel zu lernen, das ist doch schon einmal ein guter Anfang gewesen 😉

 

Und falls es dir ähnlich geht und dein Reisepass nicht mehr gültig ist:

Info in Kürze: Wie ich einen vorläufigen Reisepass erhalten habe

  • Deutsche Botschaft im Ausland kontaktiert
  • Diese brauchte für die Ausstellung ein Passfoto und die Erlaubnis aus der Stadt, in der ich meinen Wohnsitz hatte
  • Zum vereinbarten Termin hatte ich das Passfoto und meine Kreditkarte mitgebracht, um zu zahlen. Die Kosten betrugen in Costa Rica 65 Euro mit Kreditkarte oder 45.000 Colones bei Barzahlung

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