Wo ist mein Zuhause? – Gedanken über Rastlosigkeit

Vielleicht stellst du dir diese Frage manchmal oder hast sie dir mal gestellt. Vielleicht fühlst du dich rastlos und nicht angekommen.

Mir ging es einige Zeit so. Ich war lange auf der Suche nach einem Ort, an dem ich mich Zuhause fühlte. Ich sah nicht nur anders aus als die meisten Deutschen, ich fühlte mich auch anders. Doch die Suche nach einem Zuhause ist immer nur die Suche nach einem selbst und ich lernte, dass Zuhause mehr bedeutet als ein Ort.

In der Welt

Das Gefühl von Nicht-Zuhause-sein und Wegwollen begann in meiner Jugend, als ich mich mehr und mehr von dem kleinstädtischen Leben mit den closed-minded Menschen um mich herum distanzierte. Hinzu kamen die dunkelgrauen Winter, die es mir scheinbar unmöglich machten, dass ich glücklich war und mich heimisch fühlte. Von Jahr zu Jahr wurde meine Beziehung zu Deutschland schlechter und ich konnte es nicht erwarten, mit Freundinnen nach Costa Rica zu reisen. Raus in die Welt, weg von meinem Zuhause, was ich nicht als mein Zuhause ansah und wollte.

In Costa Rica fühlte ich mich in der Tat tausendmal besser als je zuvor. Ich fiel vom Äußeren endlich nicht mehr auf, die Menschen schienen viel viel lieber und herzlicher zu sein als in Deutschland und das Klima war genau das Richtige für mich. Als ich von dort wieder abreiste, brach es mir das Herz, denn ich fühlte mich, als würde ich den Ort, an den ich gehörte, verlassen.

In Deutschland hielt ich es nicht lange aus und verschwand nach Spanien, um dort spanisch zu lernen und meinem mittlerweile etablierten Wunschtraum, sobald wie möglich auszuwandern, näher zu kommen. In Spanien wurde ich ebenfalls von der Stadt Sevilla derartig verzaubert, dass es keinen Zweifel gab: Im Ausland ist alles besser.

Das Gras im Ausland ist nicht grüner, nur anders

[Der Freudenfunke ist in dir]

Ich begann mein Studium, immer mit dem Gedanken im Kopf, dass wenn es vorbei ist, ich gehe. Ich gehe weg, raus aus Deutschland, weg von den spießigen, egoistischen, verschlossenen Menschen, weg vom schlechten Wetter und der Kälte.

Eine Erleichterung gaben mir einige Reisen in Europa und Südamerika bis ich mein langersehntes Auslandssemester in Spanien (Valencia) starten konnte. Endlich lebte ich in der Sonne, unter Palmen und anderen Menschen.

Doch ich wurde enttäuscht und meine Flucht- und Suchfassade begann zusammenzufallen. Ich merkte, dass die Valencianer mindestens genauso closed-minded und ignorant sein konnten, wie Deutschen. Wobei ich nicht alle über einen Kamm scheren will. Gute Erfahrungen mit den Einwohnern Valencias machte ich jedoch wenige und auch sonst lief nicht alles reibungslos, weswegen ich irgendwie froh war, als ich wieder nach Deutschland zurückkehrte.

Ein Stück weit reifer geworden, mochte ich Deutschland seitdem. Die „typischen“ Verhaltensweisen wie das ständige Meckern, diese Unentspanntheit und dass immer alles genau geplant werden muss, empfand ich danach eher als amüsant. So sind einige Menschen halt. Dafür ist hier meistens Verlass auf Menschen, das System ist sowieso ziemlich gut und Deutsche können doch recht offen sein. Die Flüchtlingskrise, die begann als ich in Spanien war, hatte die Deutschen verändert. Sowohl zum Positiven als auch zum Negativen, aber in Norddeutschland bekam ich meist nur das Positive mit.

Als ich mein Studium dann beendet hatte, stellte ich mir also die Frage:

Wohin möchte ich jetzt gehen? Wo soll mein neues Zuhause sein? Und was bedeutet es eigentlich?

Denn ich hatte hier eine gute Zeit mit meiner Familie und Freunden verbracht und sie machten Teil meines Zuhauses schließlich aus oder?

Wie und wo ich mein Zuhause fand

Ich reiste erneut nach Costa Rica und es hatte sich nichts geändert: Ich liebte dieses Land immer noch und es war eindeutig der richtige Ort für mich.

Da die Reise dazu diente, mit mir und meiner Vergangenheit ins Reine zu kommen, reflektierte ich und merkte aber, dass es noch nicht der richtige Zeitpunkt war, hierherzuziehen. Außerdem bemerkte ich, dass ich von dieser Rastlosigkeit und dem Gesuche nach einem Ort, an dem ich bleiben will, aber dann auch mit der Frage „Wie?“ und wie viel Mut ich dafür bräuchte, müde geworden war. Vielleicht aber auch, weil ich sieben Mal umgezogen war innerhalb der letzten 2 Jahren.

Ja, ich war müde. Und mein Körper war es auch, das spürte ich.

So kam ich auf die Idee bei einem Yogazentrum an der karibischen Küste zu fragen, ob sie mir und meinem Körper in irgendeiner Form helfen könnten, Altes gehen zu lassen und mich zu entspannen.

Im Angebot hatten sie Reiki und Breathwork. Da ich von Letzterem noch nie etwas gehört hatte, wollte ich es unbedingt ausprobieren.

Und was kann ich sagen? Es war definitiv eine Erfahrung wert. Mein Körper befand sich durch eine bestimmte Atemtechnik in einem verkrampften Ausnahmezustand und ich wurde von einer Frau durch ein Gespräch geleitet. Dabei kam die Erschöpfung von dem Wunsch, zuhause zu sein, mehr als deutlich zum Vorschein. Ich erlangte aber kurz darauf auch noch die Erkenntnis, dass ich mir selbst ein Zuhause geben kann, egal wo ich bin. Und damit war ich sofort einverstanden. Das war eine ganz schöne Erleichterung.

Home is where the heart ist

Seit der Erkenntnis und dem Entschluss, mein eigenes Zuhause zu sein, hat die Rastlosigkeit nachgelassen und der Glaube, dass im Ausland alles besser ist, ist dadurch komplett verschwunden. Ich kann mich zwar immer noch nicht total mit Deutschland, der Kultur und der Mentalität hier identifizieren. Und ich sehe natürlich immer noch nicht „deutsch“ aus, was unbewusst sicher immer eine Rolle gespielt hat. Dennoch befinde ich mich jetzt gern in Deutschland und bin offen für dieses Land mit all seinen Facetten.

Mein Learning der ganzen Reisen und des permanenten Suchzustandes ist letzten Endes, dass ich die Wahl habe. Und ich habe gewählt, nicht mehr im Außen zu suchen, sondern mir selbst ein Zuhause zu geben, wo auch immer ich bin, sodass ein Ort für mein Glück keine Rolle mehr spielen. Dennoch gibt es natürlich Orte, die besser zu einem passen als andere – keine Frage.

Wo ist dein Herz und wovon hängt es ab?

Wenn da nichts ist und du dich etwas verloren fühlst, dann schau in dir nach. Dort kannst du eine Antwort und dein Zuhause finden, was auch in den Aspekt der Selbstliebe einspielt.

Denn im Besten Fall gilt:

Zuhause ist, wo du bist. Denn dein Herz ist in dir.

Und wenn du etwas so sehr liebst, dass es Teil deines Herzens ist, dann einmal Glückwunsch für diese Liebe und dort ist auch dein Zuhause 🙂

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