Zwischenstopp Colon in Nicaragua – Angst in der Fremde (Teil 1)

Eigentlich wollten wir am Karfreitag einen Zwischenstopp in Colon einlegen, um am nächsten Tag auf die Ometepe Insel zu fahren. Hast du dich auch schon einmal an einem Ort so richtig unwohl gefühlt? Wir an jenem Tag in Colon schon. Wie und warum erfährst du in dieser Kurzgeschichte.

So schön die Solentiname Inseln auch waren, wir langweilten uns etwas, besonders abends. Meistens aßen wir um 19 Uhr zu Abend und dann war’s das auch mit dem Tag. Es war bereits schon ab 18 Uhr dunkel und in der Dunkelheit Licht anzuschalten um zu Lesen oder Karten zu spielen, machte uns schnell wegen der vielen Insekten keinen Spaß. Ich ging daher auch immer spätestens um 22 Uhr schlafen.

Deswegen beschlossen wir nach hin- und herüberlegen, die Insel doch schon am Karfreitag zu verlassen.

Auch wenn es bedeutete, irgendwo anders feststecken zu müssen, da am Karfreitag keine Busse fuhren. Am Donnerstag hatten wir alle aber keine richtige Lust mehr und wollten nicht erst am Samstag weiterreisen. Zumal meine Freundinnen nicht mehr so viel Zeit hatten, ehe sie wieder nach Deutschland zurückkehren würden.

Zudem vermissten wir abwechslungsreiche Gerichte, denn auf der Insel gab es nur Reis mit Bohnen oder Spaghetti zu essen. Uns fehlten auch andere Menschen, mit denen wir uns austauschen konnten. Und ich wollte auch mal wieder meine Kleidung waschen und das nicht nur mit der Hand, sondern mit einer Waschmaschine.

Mir liefen am Donnerstag außerdem fünf Spinnen unterschiedlichster Größe über den Weg, sodass ich, keine Spinnenfreundin, das als Zeichen wahrnahm, dass es Zeit zu gehen ist.

Unsere nächste Station sollte die Isla de Ometepe sein, eine große Insel im Nicaragua See, die aus zwei Vulkanen besteht. Leider konnten wir von den Solentiname Inseln nicht mit dem Boot direkt dorthin fahren, da es zu gefährlich gewesen wäre.

Der große Nicaragua See hat zum Teil heftige Strömungen und einen ebenso heftigen Wellengang.

Der Bootsmann bot jedoch an, uns für 140$ nach Colon, einem Dorf, das südlich am See liegt, zu fahren. Von dort konnte man in ca. zwei Stunden die nächste Stadt erreichen, von der die Fähre zur Vulkaninsel abfuhr. Das klang ganz gut und wir nahmen das Angebot an.

So kam es, dass wir Freitagmittag mit Backpack und dem Wunsch, woanders zu sein, mit dem Bootsmann und seinem Sohn über den See schipperten. Wir waren gespannt, was uns erwarten würde. Colon war nämlich kein Touristenort. Der Bootsmann und auch unser Hostelbesitzer hatten uns aber versichert, dass es dort eine Herberge gäbe.

In Colon

Nach eineinhalb Stunden Seefahrt erreichten wir schließlich einen kleinen Strand. Dahinter in der Ferne waren ein paar Gebäude zu sehen, neben denen Menschen saßen und grillten.

Als wir anlegten, konnte ich sehen, wie eine Nicaraguanerin aufstand, etwas näherkam und mit ihrem Handy ein Foto von uns machte. Das empfand ich als etwas merkwürdig, aber die Einheimischen hatten am Karfreitag wahrscheinlich keinen Besuch, der auch noch mit dem Boot angeschwommen kam, erwartet.

Wir stiegen aus, setzten unsere Backpacks auf und folgten dem Bootsmann zu einem großen Holzhaus, wo er mit einem Soldaten sprach. Diesem meldete er, dass er hier angelegt und Passagiere transportiert hatte. Dann fragte er, wo die Herberge sei, worauf der Soldat die Schultern zuckte. Wir drei Mädchen schauten uns etwas unsicher an. Colon war wirklich ein Dorf und es sah alles sehr ärmlich, trocken und sandig aus. Es gab keine geteerten Straßen, keine Schilder, nur vereinzelte Holzhütten und Zäune, und die Einheimischen natürlich, die beisammen saßen und ihren freien Tag feierten.

Hinter uns spielten Jugendliche Fußball und ihnen zuzuschauen, entspannte mich etwas. Denn ich war angespannt. Wie würde unser Tag verlaufen, wenn wir hierblieben? Ich fühlte mich jetzt schon nicht sonderlich wohl in Colon. Es war ein Feiertag. Alle verbrachten ihn wahrscheinlich mit ihren Familien und Freunden. Alles hatte geschlossen (wenn es dort überhaupt Geschäfte oder Restaurants gab) und andere Touristen oder Reisende gab es natürlich nicht. Mir kam es vor, als wären wir Eindringlinge.

Wir gehörten nicht hierher.

Mittlerweile hatte der Bootsmann herausgefunden, wo sich die Herberge befand, nämlich abseits des Dorfes und so liefen wir los. Uns kam auf dem Weg allerdings eine riesige Pfütze oder besser gesagt, ein kleiner Sumpf in die Quere, der zum Teil wadentief war. Ich hatte noch meine Sneaker an und meinen Backpack auf dem Rücken, den ich in diesem Matsch nicht abstellen wollte. Für mich ging es hier nicht weiter und auch meine Freundinnen wollten nicht da durch.

Der Bootsmann schlug uns daraufhin vor, mit dem Boot direkt zur Herberge zu fahren. Das schien möglich zu sein, wenn er das sagte. Also machten wir kehrt und gingen zum Boot, wo sein Sohn wartete. Vorbei an den Fußball spielenden Jungs und den wachenden Soldaten mit belustigten Blicken.

Wir fuhren das Ufer ein Stück entlang bis wir uns auf der Höhe der Herberge befanden. Da bogen wir ein und fuhren zu ihr ans Ufer soweit es ging.

Dabei merkten wir alle, wie angespannt wir waren. Es war eine seltsame Situation. Normalerweise war ich immer gelassen in solchen Situationen, aber irgendetwas war mit diesem Ort.

Die Nerven von einer meiner Freundinnen waren mittlerweile auch schon beinahe blank und äußerte ihre Bedenken. Konnten wir hier unterkommen?

Wie sicher war es an diesem Ort überhaupt?

Die Einheimischen hatten hier Touristen wahrscheinlich noch nie gesehen. Und die Nicaraguaner waren allgemein bisher nicht so gastfreundlich herübergekommen. Um der Anspannung entgegen zu wirken, versuchte ich, die Ruhe zu bewahren und konzentrierte mich. Ich wollte eine gute Entscheidung treffen und dass wir alle gut an unser Ziel, die Ometepe Insel ankamen und das mit dem geringsten Stress.

Also überlegte ich. Wir hatten auch immer noch die Möglichkeit, für 140$ wieder zurück zur Solentiname Insel zu fahren und einen Riesenumweg durch die zwei (vermutlich unschönen) Städte San Carlos und Managua machen. Okay, das kam nicht in Frage.

Also blieben wir schweigsam, nicht wissend, was uns erwarten würde.

Wie es weiterging, erfährst du in Teil 2.

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